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Viviani feiert Giro-Sprintsieg in Tel Aviv - Dennis übernimmt das Rosa Trikot
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05.05.2018

Viviani feiert Giro-Sprintsieg in Tel Aviv - Dennis übernimmt das Rosa Trikot

Info: GIRO D’ITALIA 2018 (2.UWT)
Autor: Heike Oberfeuchtner (H.O.)



Tel Aviv, 05.05.2018 - Auf der ersten Überführungsetappe des Giro d'Italia 2018 hat Elia Viviani den 28. Saisonsieg für das Quick-Step Floors Team eingefahren. In Tel Aviv verwies der 29-jährige Italiener seinen Landsmann Jakub Mareczko (Wilier Triestian-Selle Italia) und den Iren Sam Bennett vom deutschen Bora-Hansgrohe Team auf die Plätze. Zugleich übernahm Viviani die Führung in der Punktewertung. Am Ende der 167 weitgehend flachen Kilometer, die in Haifa gestartet wurden, kam es außerdem zu einem Wechsel im Rosa Trikot. Denn am zweiten Zwischensprint hatte Rohan Dennis (BMC Racing) sich drei Bonussekunden gesichert und war so an Tom Dumoulin (Sunweb), dem Auftaktsieger des Zeitfahrens, vorbeigezogen.

Campanaerts zieht es in die Fluchtgruppe
Nach dem kurzen Einzelzeitfahren gestern führte die erste Giro-Etappe "en ligne" über eine überschaubare Distanz von Haifa, der drittgrößten Stadt Israels, zunächst nach Norden und dann in die entgegengesetzte Richtung auf Tel Aviv zu. Lediglich einen unkategorisierten Anstieg und eine Kategorie 4-Bergwertung (Zikhron Ya'aqov, 2,6 km à 5,3 %, max. 13 %) galt es im Mittelteil zu überwinden. Bei strahlendem Sonnenschein und hohen Temperaturen standen die Zeichen daher von vornherein auf Massensprint, einzig und allein der Wind stellte eine unbekannte Variable dar, da man sich die ganze Zeit über in Küstennähe aufhielt. Die Anfangsphase war interessant anzuschauen, denn Victor Campenaerts vom Lotto-Soudal Team - oder besser Lotto-Fix All, wie die Mannschaft während des Giro heißt - wollte es unbedingt in die Fluchtgruppe des Tages schaffen. Der Drittplatzierte der ersten Etappe lag nur 2 Sekunden hinter Tom Dumoulin zurück und machte sich wohl Hoffnung auf die Bonussekunden, die es allerdings - aufgepasst - nur am zweiten Zwischensprint nach 105 Kilometern und nicht schon an der ersten TV-Wertung nach 22,3 Kilometern geben würde. So oder so ging sein Plan nicht auf, was weniger an Team Sunweb lag, das die Maglia Rosa wohl gar nicht ungern hergegeben hätte. Vielmehr unterband das BMC Racing Team des Gesamtzweiten Rohan Dennis Campenaerts' Unterfangen und zeigte so schon sehr früh, dass es an diesem Tag nicht nur mitrollen wollte.

BMC Racing übernimmt das Kommando
So schickte Lotto-Fix All statt des Zeitfahr-Europameisters den Dänen Lars Ytting Bak, Giro-Etappensieger von 2012, auf die Flucht. Begleitet wurde er vom Italiener Davide Ballerini (Androni-Giocattoli Sidermec) und von... - war etwa kein Fahrer der Israel Cycling Academy dabei? Zunächst nicht, obwohl Guy Sagiv und sein Namensvetter Guy Niv ihr Bestes versuchten. Schließlich holte der Kanadier Guillaume Boivin, der Dritte der U23-WM 2010, für die einheimische Mannschaft die Kohlen aus dem Feuer. 138 Kilometer vor dem Ziel konnte er zur Spitzengruppe aufschließen. Den Zwischensprint in Acres wurde von Ballerini gewonnen; Elia Viviani sicherte sich aus dem Feld heraus noch 2 Punkte. Der Vorsprung der drei Ausreißer stieg auf ca. 3 Minuten 40 Sekunden an, dann schickten die an einem Massensprint interessierten Teams je einen Mann nach vorne und sorgten für eine Begrenzung des Abstands. Allzu viel mussten sie allerdings nicht tun, denn etwa 100 km vor dem Ziel riss auf einmal BMC Racing das Kommando an sich. In voller Mannschaftsstärke fuhren sie das Loch konsequent zu, und zwar so, dass die Ausreißer an der Bergwertung nach 91 Kilometern praktisch eingeholt waren. Boivin versuchte zwar noch, angefeuert von einer Wahnsinnszuschauerkulisse, das Bergtrikot für Israel Cycling Academy zu ergattern. Aber der Italiener Enrico Barbin (Bardiani-CSF) sprang aus dem Feld heraus und machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Boivin nimmt den Faden wieder auf
Das nun wieder geschlossene Feld wurde weiterhin von BMC befehligt, die es ganz klar auf den Zwischensprint bei Caesarea 61,7 km vor dem Ziel abgesehen hatten. Man baute einen wunderschönen Sprintzug auf und nutzte dabei die Windverhältnisse auf der Küstenstraße sehr geschickt aus. Am Ende schaffte es Rohan Dennis tatsächlich als Erster, noch vor Sprintspezialist Viviani, über die "Traguardo Volante", womit er sich drei Bonussekunden sicherte. Da Tom Dumoulin nur zwei Sekunden Vorsprung gehabt hatte, fuhr nun also der Australier virtuell mit einer Sekunde Vorsprung in Rosa. Victor Campenaerts war am Zwischensprint komplett leer ausgegangen und darüber so erbost, dass er ein paar Kilometer allein vor dem Feld herfuhr, ein aussichtsloses Unterfangen natürlich, wenn es denn überhaupt einem Plan folgte. Die einkehrende Ruhe nutzte Guillaume Boivin, um den von BMC Racing durchgerissenen Faden wieder aufzunehmen. Als Solist machte er sich davon und kam in den Genuss eines Vorsprungs von maximal 90 Sekunden. Bora-Hansgrohe, UAE-Emirates und Quick-Step führten kontrolliert nach. 20 Kilometer vor dem Ziel betrug der Vorsprung des früheren kanadischen Meisters noch 28 Sekunden und keine 5 km später war er eingeholt.

Viviani sucht sich das richtige Hinterrad
So gut wie jede Mannschaft zeigte sich auf den verbliebenen 16 Kilometern mal an der Spitze, allein Quick-Step hielt sich auf einmal vornehm zurück und präsentiert sich erst 10 Kilometer später wieder weiter vorne. Ab 4 km vor dem Ziel wurden die Straßen enger und die Situation für die Sprinterteams weniger kontrollierbar, doch Einzelaktionen wie die von Tosh van der Sande (Lotto-Fix All) waren dennoch zum Scheitern verurteilt. Zwei Kurven, die letzte 800 Meter vor der Ziellinie, waren noch zu überstehen, dann konnte ordentlich reingehalten werden. Sam Bennett schien zunächst am aussichtsreichsten platziert, doch Elia Viviani erwischte genau das richtige Hinterrad, das von Jakub Mareczko nämlich. Der gebürtige Pole und eigebürgerte Italiener kam mit einer Mordsgeschwindigkeit von hinten und Viviani nutzte geschickt seinen Windschatten aus, um am Ende selbst den Sieg einzuheimsen. Es war sein zweiter im Rahmen der Italienrundfahrt, denn 2015 hatte er bereits in Genua triumphiert, damals übrigens auch auf der 2. Etappe. Überhaupt konnte sich das Resultat der italienischen Sprinter sehen lassen: Fünf von ihnen schafften es in die Top10, neben Viviani und Mareczko auch Niccolo Bonifazio (Bahrain-Merida) auf vier, Sacha Modolo (EF Education First) auf fünf sowie Manuel Belletti (Androni Giocattoli) auf acht.

Dennis komplettiert seine Leadertrikot-Sammlung
Durch seinen Etappensieg und sein Abschneiden an den Zwischensprints übernimmt Elia Viviani die Führung in der Punktewertung, und zwar mit dem großen Vorsprung von 33 Zählern gegenüber dem Etappenzweiten. Rohan Dennis derweil tauscht die Maglia Ciclamina, die er ohnehin nur stellvertretend trug, gegen die Maglia Rosa. Nach dem Gelben Trikot der Tour de France 2015 und dem Roten Trikot der Vuelta a Espana 2017 schlüpft der 27-Jährige also erneut in ein Leaderjersey, wenn auch einen Tag später als vielleicht geplant. Dennis führt außerdem, punktgleich mit Davide Ballerini, die Sprintwertung an. In der Nachwuchswertung liegt weiterhin Maximilian Schachmann (Quick-Step Floors) vorne, der Gesamtachte. In der Mannschaftswertung behauptete Katusha die Führung.

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