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3. Etappensieg im Rosa Trikot: Simon Yates wandelt auf den Spuren des großen Gilbert Simoni
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20.05.2018

3. Etappensieg im Rosa Trikot: Simon Yates wandelt auf den Spuren des großen Gilbert Simoni

Info: GIRO D’ITALIA 2018 (2.UWT)
Autor: Felix Griep (Werfel)



Sappada, 20.05.2018 – Ihn dürfte vor Beginn des 101. Giro d’Italia wohl kaum jemand ganz oben auf seinem Zettel gehabt haben, doch Simon Yates sorgt auch zum Ende der vorletzten Woche noch immer für Furore. Am Tag nach seinem starken Auftritt am Zoncolan, wo es knapp nur für Platz zwei gereicht hatte, holte sich der Brite nun doch noch seinen dritten Sieg im Maglia Rosa. Der letzte Fahrer, der bei einem Giro so oft im Leadertrikot hatte jubeln dürfen, war Gilberto Simoni im Jahr 2003. Den Vorsprung gegenüber seinen ersten Verfolgern baute Yates noch einmal deutlich auf mehr als zwei Minuten aus.


Das Profil der 15. Etappe des Giro d‘Italia

Aus vier Ausreißern werden vierundzwanzig
Der Monte Zoncolan war unbestritten der „Star“ des dritten Giro-Wochenendes, doch die 15. Etappe bot insgesamt noch etwas mehr mitreißenden Radsport als das vorangegangene Teilstück, das eigentlich erst an der Bergankunft interessant geworden war. 41,1 Kilometer wurden in der ersten Rennstunde zurückgelegt – ungemein viel wenn man bedenkt, dass die Strecke in dieser Zeit fast ausschließlich bergauf führte. Es gab zahlreiche Fluchtversuche und kurzlebige Spitzengruppen – viel zu viele, um sie hier im Detail aufzulisten. Der erste Angriff, der erwähnt werden muss, ist jener von Krists Neilands (Israel Cycling Academy) etwa zwei Kilometer vor der ersten Bergwertung des Tages auf dem Passo della Mauria (km 48,4). Dem lettischen Meister waren Nico Denz und Quentin Jauregui (beide AG2R La Mondiale) sowie Dayer Quintana (Movistar Team) gefolgt. In der Abfahrt baute das Quartett seinen Vorsprung auf bis zu 45 Sekunden aus, doch im Tal wurde es wieder bedeutend weniger und nach und nach schlossen insgesamt 20 weitere Fahrer zu ihnen auf. Am ersten Zwischensprint 100 Kilometer vor dem Ziel hatten diese zwei Dutzend Ausreißer dann einen Vorsprung von einer Minute.

AG2R la Mondiale weiter zu zweit an der Spitze
Der Vorsprung der Riesengruppe wuchs bis auf drei Minuten an – dann spannte sich Education First-Drapac vor das Hauptfeld. Nicht wegen Bedenken hinsichtlich der Gesamtwertung, denn der beste Ausreißer Mikaël Cherel (AG2R La Mondiale) lag da fast 20 Minuten zurück, sondern weil Michael Woods etwas geplant hatte. Im zweiten Anstieg auf den Passo Tre Croci (7,9 km à 7,3%) attackierte der Kanadier im plötzlich aufgezogenen Regen und fuhr gut eine Minute auf das Feld heraus. An der Bergwertung 65 Kilometer vor dem Ziel lag er trotzdem noch immer rund eine Minute hinter den Führenden, bei denen es sich um vier Fahrer handelte: Das AG2R-Duo Cherel und Denz sowie Giulio Ciccone (Bardiani CSF) und Dayer Quintana (Movistar) hatten sich von den restlichen Ausreißern abgesetzt. In der fast 30 Kilometer langen Abfahrt fand zudem Giovanni Visconti (Bahrain Merida) wieder Anschluss an die Spitzenreiter, während Mitchelton-Scott Woods und zahlreiche abgehängte Ausreißer zurück ins Feld holte. Es war den Mannen des Giro-Leaders Simon Yates nicht ganz geheuer, was der Zwölfte der Gesamtwertung veranstaltet hatte. Zudem hatten sie sich selbst den Etappensieg als Ziel gesetzt.

   
Passo di Sant'AntonioCostalissoioSchlussanstieg nach Sappada

Denz alleine an der Spitze, bis die Favoriten loslegen
Die letzten 30 Kilometer hielten noch drei weitere Anstiege bereit, beginnend mit dem Passo di Sant'Antonio (8,3 km à 7,5%), an dem das Feld noch weiter abspeckte, bis es nur noch 22 Fahrer schwer war. Diese lagen an der Bergwertung 33 Sekunden hinter Ciccone und Denz, die in diesem Anstieg nacheinander erst Quintana, dann Visconti und schließlich auch Cherel verloren hatten. Die Topfavoriten waren alle noch dabei, aber u.a. Woods und der 13. der Gesamtwertung Fabio Aru (UAE Emirates) waren einer Tempoverschärfung des Teams Sunweb zum Opfer gefallen. Nach der Etappen belegen sie nur noch die Plätze 17 und 22. Bergab setzte sich Denz von Ciccone ab und ging als alleiniger Spitzenreiter in den Anstieg nach Costalissoio (3,8 km à 8,8%, max. 14%). Dort endeten jedoch seine Träume vom ersten Profi-Sieg oder zumindest einer weiteren Topplatzierung wie auf der 10. Etappe, als er in Gualdo Tadino Zweiter geworden war. Weniger als 20 Kilometer vor dem Ziel begannen nun nämlich die Attacken der Favoriten. Zoncolan-Sieger Chris Froome (Sky) spielte dabei keine Rolle mehr, er musste den Anstrengungen des Vortags früh Tribut zollen und fiel schon bei den ersten Tempoverschärfungen zurück.

Yates fährt locker alleine davon, während Froome leidet
Zweieinhalb Kilometer vor der Costalissoio-Bergwertung übernahm Yates das Kommando und drückte dem Rennen seinen Stempel auf. Nur Tom Dumoulin (Sunweb), Domenico Pozzovivo (Bahrain Merida), Thibaut Pinot (Groupama-FDJ), Miguel Angel Lopez (Astana) und Richard Carapaz (Movistar) konnten nach der ersten Attacke des Leaders wieder an ihn heranfahren, so dass – bis auf Froome – die Top7 der Gesamtwertung noch einmal für einen kurzen Augenblick vereint waren. Doch Yates‘ zweiter Antritt ließ nicht lange auf sich warten und konnte von keinem einzigen Gegner pariert werden. Bis zur Bergwertung nahm er seinen fünf Verfolgern bereits 20 Sekunden ab und lag zudem mehr als eine Minute vor der nächsten großen Gruppe um Froome. Diese Abstände wurden in der Folge nur noch größer und betrugen am Fuß der letzten Steigung der Etappe rund 40 Sekunden respektive eineinhalb Minuten. Der schon auf dem Gran Sasso d'Italia und in Osimo siegreiche Yates war nicht mehr aufzuhalten. Im Ziel in Sappada lag er letztlich 41 Sekunden vor seinen Verfolgern und 1:20 Minute vor der „Froome-Gruppe“, auf die der spät abgehängte Froome sogar zusätzliche zwölf Sekunden einbüßte.

Differenz zwischen Yates und Dumoulin steigt auf 2:11
Im Sprint um die restlichen Bonifikationen im Ziel setzte sich Lopez vor Dumoulin, Pozzovivo, Carapaz und Pinot durch. Dass Dumoulin am Ende überhaupt noch in dieser Gruppe war, war eine Erleichterung für den Vorjahressieger, der nämlich vier Kilometer vor dem Ziel nach einem Angriff von Carapaz den Anschluss verloren hatte; bis zur Flamme Rouge hatte es gedauert, bis er sich zurückgekämpft hatte. So verteidigte der Niederländer Gesamtrang zwei vor Pozzovivo und Pinot – sie liegen jetzt 2:11 Minuten 2:28 Minuten und 2:37 Minuten hinter Yates, dessen Ausgangsposition für das bevorstehende Einzelzeitfahren damit noch einmal deutlich besser aussieht als bisher. Lopez und Carapaz, die beide mehr als vier Minuten Rückstand aufweisen, zogen an Froome vorbei, der somit also von Rang fünf auf sieben verdrängt wurde. Die restlichen Top10-Positionen bleiben mit George Bennett (LottoNL-Jimbo), Pello Bilbao (Astana) und dem Österreicher Patrick Konrad (Bora-Hansgrohe) besetzt. Gewechselt hat das Bergtrikot: Dieses wird nicht mehr von Esteban Chaves (Mitchelton-Scott), sondern vom heutigen Ausreißer Ciccone getragen – allerdings ebenfalls nur in Stellvertretung, denn auf Yates fehlen ihm noch immer gewaltige 39 Punkte.

-> Zum Resultat

Es steht nun zunächst der letzte Ruhetag auf dem Programm, bevor es auf der 16. Etappe das 34,2 Kilometer lange Einzelzeitfahren gibt, auf das besonderes Tom Dumoulin sehnsüchtig wartet, um Leader Yates Zeit abnehmen zu können.

Video der Zielankunft






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