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Keisse/De Buyst verlieren die Führung in Bremen an das Überraschungsteam Marvulli/Consonni
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15.01.2019

Keisse/De Buyst verlieren die Führung in Bremen an das Überraschungsteam Marvulli/Consonni

Info: Sixdays: Sixdays Bremen 2019
Autor: Thorsten Schmidt (www.sixdaysinfo.de)



Die vorletzte Nacht bei den Bremer Sixdays brachte eine Entscheidung im UIV-Cup, eine Vorentscheidung bei den Sprintern und einen überraschenden Verlauf für die Sixdays-Profis. Denn nicht die hoch gewetteten Belgier Iljo Keisse und Jasper De Buyst gehen als Führende in den Finalabend, sondern Tristan Marguet und Simone Consonni. Sie hatte niemand auf der Rechnung und vielleicht war genau das der entscheidende Fehler der Favoriten.


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Deutscher Sieg im UIV-Cup

Elias Richter und Max Gehrmann konnten die zweite und dritte Etappe der U23-Rennens für sich entscheiden und dadurch auch den Gesamtsieg sichern. Weil sie auch hinter dem Derny und beim Punktefahren besser klar kamen als ihre Konkurrenten, siegten sie mit 7 Punkten Vorsprung von den Italienern Filippo Ferronato und Matteo Donegà und den Dänen Anders Fynbo und Martin Mollerup. Diese drei Teams konnten sich als einzige in der Nullrunde behaupten.

-> Zum Endstand und allen Resultaten der U23

Wenig Spannung bei den Sprintern

Aus dem Sprintwettbewerb ist die Luft raus. Der Juniorenmeister Elias Edbauer schafft zwar an jedem Abend die beste Zeit im Rundenrekordfahren, aber er schafft es nicht, diese Schnelligkeit auch im Sprint und im Keirin gewinnbringend umzusetzen. Mit all seiner Erfahrung hat Maximilian Levy stets die Nase vorn, so dass er mit vier Punkten Vorsprung in das morgige Finale geht.

-> Zum Gesamtstand und allen Resultaten der Sprinter

Wer ist nun wirklich der Top-Favorit auf den Sixdays-Gesamtsieg?

Wie an jedem Abend eröffnete das Programm mit einem Ausscheidungsfahren aller 24 Sixdays-Profis. Hester/Reinhardt und Burkart/Graf fuhren ins Finale und besserten ihr mageres Punktekonto auf. Zur zweiten Bonusrunde würde es aber an diesem Abend möglicherweise nicht mehr reichen. Eine Bonusrunde hatten aber Keisse/De Buyst, Consonni/Marguet und auch Grasmann/Mørkøv dicht vor Augen.

Die Kleine Jagd endete mit einem Überraschungscoup von Hester/Reinhardt

Kaum war der Startschuss zur Kleinen Jagd gefallen, legten Achim Burkart und Andreas Graf los wie die Feuerwehr. Die beiden haben sich zusammen im Trainingslager auf die Bremer Sixdays vorbereitet und damit ein deutliches Zeichen gegeben, dass sie in Bremen um das Podium mitfahren wollen. Achim Burkart hatte im vergangenen Jahr schon den sicheren Sieg vor Augen und wurde von De Ketele/Reinhart durch einen Rundengewinn wenige Runden vor Schluss dann doch noch auf Platz 2 verdrängt. Andreas Graf hat es zuvor in 31 Sechstagerennen erst einmal aufs Treppchen geschafft (Dritter 2016 in Kopenhagen) – Hier in Bremen fährt er das Rennen seines Lebens.

Insgesamt war diese kleine Jagd ein Spiegelbild der bisherigen Wettkämpfe. In der ersten Rennhälfte setzen sich Hester/Reinhardt am besten in Szene und fuhren nach 12 Minuten allein in die Nullrunde. Und wiederum konnten sie einen Vorsprung nicht verteidigen. Vier Minuten vor dem Finale waren sechs Teams in der Nullrunde versammelt und es deutete sich ein Massensprint an. Wissend um die Sprintstärke der Anderen, wählte Marc Hester eine unerwartete Variante. Sieben Runden vor Schluss startete er eine Attacke und hatte rasch 30 Meter Vorsprung. Die verdutzten Konkurrenten versuchten noch, das Loch wieder zuzufahren, aber der Vorsprung reichte.
Durch die Bonusrunden verschob sich die Gesamtwertung. Keisse/De Buyst führten immer noch mit einer Runde Vorsprung vor Consonni/Marguet und Burkart/Graf. Hester/Reinhardt lagen ebenso wie Grasmann/Mørkøv zwei Runden zurück, hatten aber durch den Sieg in der Jagd die Chance auf eine Bonusrunde erhalten.

Alle gegen Keisse/De Buyst – Keisse/De Buyst gegen alle

In Abwandlung des Zitats von Gary Lineker könnte man sagen: „24 Radsportler fahren im Kreis und am Ende gewinnt Iljo Keisse“. Die Überlegenheit der beiden Belgier drückt sich zwar nicht in der Gesamtwertung aus, zeigt sich aber in jeder Jagd. Ich habe in den vergangenen fünf Wettkampftagen Niemanden gefunden, der gegen Keisse/De Buyst wetten wollte.
Aber morgen werde ich den Kollegen im Presseraum eine Wette gegen die Belgier anbieten. Denn in der heutigen Großen Jagd habe ich ihre Schwäche entdeckt.

Schon im Vorfeld der Bremer Sixdays wurde ein Zweikampf um den Sieg erwartet. Das Siegerteam des Vorjahres mit Kenny De Ketele an der Seite von Theo Reinhardt hätte ein Konkurrent auf Augenhöhe sein können. Den sturzbedingten Ausfall des Belgiers konnte Marc Hester nicht ersetzen. In allen Jagden hat sich gezeigt, dass Reinhardt und Hester zu wenige taktische Varianten zur Verfügung stehen. Sie haben viel investiert und den beiden Belgiern immer wieder den Fehdehandschuh hingeworfen. Aber es ist zu wenig dabei herausgekommen und sie müssen immer noch um einen Platz auf dem Podium kämpfen.
Dennoch wird immer noch am „Duell“ festgehalten – von den Medien, von den Hallensprechern und auch von den vier Sportlern selbst. Am Ende des gestrigen Abends hatte Iljo Keisse gerade die Führung in der Gesamtwertung verloren, sprach aber im Interview nur von Hester und Reinhardt als ihre größten Widersacher um den Gesamtsieg. Dabei ist aus dem Duell um den Sieg längst ein Vierkampf geworden. Möglicherweise wird das den Belgiern zum Verhängnis, dass sie sich zu lange auf das „Duell“ mit Hester/Reinhardt fokussiert haben.

In der Großen Jagd über 45 Minuten starteten Grasmann/Mørkøv nach wenigen Runden die erste erfolgreiche Attacke. In der Folge war zu beobachten, dass Keisse/De Buyst und Hester/Reinhardt sich keine Sekunde aus den Augen ließen. Attackierten die einen, konterten die anderen und so schafften sie mehrere Rundengewinne gemeinsam – das „Duell“.
Consonni/Marguet und Burkart/Graf fuhren wie gewohnt offensiv und holten sich ihre Rundengewinne in wechselnden Koalitionen, oft auch zusammen mit den schwächeren Teams; also wenn das Tempo im Feld nicht so hoch ist. Und dann sind da ja noch Grasmann/Mørkøv, die nicht nur ein graublaues Trikot tragen, sondern sich auch taktisch wie eine graue Maus verhalten. Sie fahren so betont unauffällig, dass man es fast gar nicht mitbekommt, dass sie schon wieder einen Rundengewinn herausgefahren haben. In dieser Jagd klebten sie am Hinterrad von Keisse/De Buyst und fuhren bei so mancher Attacke der Belgier einfach nur hinterher.

In der letzten Viertelstunde wurde nur noch gebrettert. Es spricht für den Mut und den Kampfgeist von Burkart/Graf, dass sie es bei diesem hohen Tempo dennoch versuchten, mit einer Attacke allein in die Nullrunde zu kommen. Iljo Keisse spannte sich vor das Feld und trieb das Tempo hoch. Burkart und Graf kämpften wie die sprichwörtlichen Löwen, doch mehr als eine halbe Runde Vorsprung war nicht drin. Nach langen vier Minuten wurden sie wieder eingeholt und waren platt.
Kaum waren die „Roten“ eingefangen, suchten die „Schwarzen“ ihr Heil in der Flucht. Hester und Reinhardt erging es aber keinen Deut besser. Lange vier Minuten drückten Keisse und De Buyst auf das Tempo, dann waren auch Hester und Reinhardt platt. Will noch einer? Traut sich noch einer? Jesper Mørkøv traute sich, Wim Stroetinga sprang hinterher. Hatten sie noch genügend Körner aufgespart? Wieder machten Keisse und De Buyst die Lokomotive und trieben das Tempo im Feld hoch. Aber nun waren sie platt. Als die letzten 20 Runden eingeläutet wurden, hatten Grasmann/Mørkøv und Stroetinga/De Pauw den Rundengewinn geschafft. Sie waren nun zwar auch platt, aber allein in der Nullrunde. Und wer sollte das in den wenigen verbleibenden Runden noch kontern?

Einer war noch übrig geblieben, der Nobody aus Italien, der noch kein einziges Sechstagerennen gefahren ist und sich noch nicht mal im Weltcup bei Madison-Wettbewerben gezeigt hat. Simone Consonni spurtete 13 Runden vor Schluss los und war in den nächsten drei Runden kaum langsamer als beim zuvor gewonnenen 500m-Zeitfahren. Er schaffte tatsächlich noch einen Rundengewinn und fuhr sofort am Feld vorbei. Grasmann konnte kaum das Hinterrad halten. Aber beim letzten Wechsel stellten sich Consonni und Marguet derart ungeschickt an, dass Jesper Mørkøv jubelnd über die Ziellinie rollen konnte.
Als punktbeste Mannschaft übernahmen Consonni/Marguet die Führung im Gesamtklassement mit 13 Punkten Vorsprung vor Keisse/De Buyst. Mit einer Runde Rückstand folgen Hester/Reinhardt, Burkart/Graf und Grasmann/Mørkøv. Von den führenden Teams haben am Finalabend nur noch Burkart/Graf realistischerweise eine Chance auf eine Bonusrunde. Die brächte sie in die Nullrunde und auf Platz drei. Hester/Reinhardt gehen also mit einer Minusrunde und 35 Punkten Rückstand in den Finalabend. Über die Punkte werden sie das Rennen nicht gewinnen, sie müssten also in den beiden Jagden am Dienstag zwei Runden auf alle drei Konkurrenten gut machen. Fast unmöglich.
Mein erster Tipp gilt jetzt dem Alpenexpress. Wegen ihrer Tempohärte und ihrer Sprintstärke. Wenn sie es morgen trotzdem nicht schaffen sollten, dann liegt es wahrscheinlich an ihren Wechseln.

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Drei Fragen an Tristan Marguet

Frage: Tristan, Ihr seid das Überraschungsteam bei den Bremer Sixdays. Bist Du selbst auch überrascht, dass es bei dir so gut läuft?

Tristan Marguet: Ja, ein bisschen bin ich schon überrascht. Ich habe längere Zeit kein Rennen gefahren und dann weiß man selbst nicht immer so genau, wo man steht. Aber ich habe sehr gut trainiert, für Bremen und für den Weltcup in Hongkong. Und ich habe es sehr gehofft, dass ich mich hier gut präsentieren kann.
Im letzten Jahr hatte ich Pech in Bremen. Ich bin mit Lukas Liß zusammen gefahren und er ist am zweiten Abend krank geworden. Da hat mir Erik Weispfennig versprochen, dass ich wiederkommen darf und dass er mir einen starken Gegner geben wird. Und dieses Vertrauen von Erik hat mich beim Training enorm motiviert.

Frage: Dein Partner Simone Consonni ist die Wundertüte dieser Sixdays. Er fährt sein erstes Sechstagerennen und keiner kannte ihn. Kanntet ihr euch? Habt ihr vielleicht sogar zusammen trainiert?

Tristan Marguet: Ich kannte Simone natürlich von den Weltcups. Er fährt seit Jahren sehr erfolgreich im italienischen Bahnvierer. Zusammen trainiert haben wir nicht. Aber am ersten Abend, schon nach den ersten Ablösungen, da habe ich gemerkt, dass wir gut zusammen passen werden. Der Bewegungablauf stimmte. Auch die körperlichen Voraussetzungen sind ähnlich. Wir sind beide klein und leicht. Es passte alles zusammen und dieses Gefühl hat uns natürlich zusätzlich gepuscht.

Frage: Deine Spezialität ist das 500m-Zeitfahren. Vier von fünf Wettbewerben habt ihr gewonnen. Liegt dir die Bremer Bahn vielleicht besonders gut?

Tristan Marguet: Nein, eigentlich fahre ich lieber auf den längeren Bahnen. Die Bremer Bahn ist schon sehr anspruchsvoll, da musst du immer hochkonzentriert sein. Man hat es am Sturz von Robert Förstemann gesehen, was hier passieren kann. Diese Bahn verzeiht keine Fehler. Und speziell beim Zeitfahren ist ein enormer Druck in den Kurven und der Lenker vibriert... Aber wenn es läuft, dann läuft es...





Tristan Marguet und Simone Consonni gehen als führende Mannschaft in das Finale der Bremer Sixdays (Foto: Thorsten Schmidt)
Tristan Marguet und Simone Consonni gehen als führende Mannschaft in das Finale der Bremer Sixdays (Foto: Thorsten Schmidt)

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