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Schlammschlacht auf Schotter: Evans gewinnt Hammeretappe, Vinokourov wieder in Rosa
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15.05.2010

Schlammschlacht auf Schotter: Evans gewinnt Hammeretappe, Vinokourov wieder in Rosa

Info: GIRO D´ITALIA 2010
Autor: Felix Griep (Werfel)
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Vorschau: Strade bianche machen 7. Etappe spannend und zur Gefahr für Giro-Favoriten



Montalcino, 15.05.2010 - Auf den strade bianche, den Schotterstraßen der Toskana, wurde die verregnete 7. Etappe des Giro d'Italia zu einem Tag, den man noch lange in Erinnerung behalten wird. Weltmeister Cadel Evans (BMC Racing Team) geht aus einem grandiosen Rennen als Sieger hervor aber auch Alexandre Vinokourov (Astana) ist ein Gewinner, führt die Gesamtwertung jetzt mit über einer Minute Vorsprung an. Vincenzo Nibali (Liquigas) war nach einem Sturz zurückgefallen und verlor das Rosa Trikot an den Kasachen.

Denkwürdiger Giro-Tag fängt schon ungewöhnlich an
"strade bianchi" hieß das Zauberwort, das die 7. Etappe der Italien-Rundfahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis machte. Bei regnerischem Wetter wurde auf schlammigen Schotterstraßen schon um die Gesamtwertung des Giro 2010 gekämpft. Bereits gestern deutete sich an, dass es ein besonderer Tag werden würde. Wegen eines Erdrutsches musste eine Bergwertung in der Mitte der 220 Kilometer langen Etappe gestrichen werden. Die begann dann rasend schnell, in der ersten Stunde wurden 52,5 Kilometer zurückgelegt, ein Ausreißversuch war dadurch unmöglich. Erst als das Rennen sich ein wenig verlangsamte brach plötzlich eine 16 Mann starke Gruppe aus, in der auch der Gesamtdritte und Träger des Weißen Trikots Valerio Agnoli (Liquigas) zugegen war. Diese wurde aber natürlich nicht fahren gelassen, Katusha und Lampre holten sie schnell zurück.

Liquigas-Drama beginnt früh, Vinokourov von Beginn an aufmerksam
Erst nach etwa 80 Kilometern konnten sich zwei Fahrer absetzen, Nicki Sörensen (Saxo Bank), der tags zuvor seinen 35. Geburtstag feierte, und Rick Flens (Rabobank), der schon am vergangene Wochenende als Ausreißer aktiv war. Ihr Vorsprung stieg auf fast zehn Minuten, bis wiederum Katusha und Lampre die Verfolgung starteten. 60 Kilometer vor dem Ziel riss das aufholende Feld dann auseinander, unter anderen Carlos Sastre (Saxo Bank) und Marco Pinotti (HTC-Columbia) waren auf einmal abgeschlagen, mussten sich mühsam zurück kämpfen. An der Bergwertung am Passo del Rospatoio wurden die Flüchtlinge dann eingeholt und das Finale begann. Auf nasser Straße stürzten Vincenzo Nibali und Valerio Agnoli, die Träger der Trikots in Rosa und Weiß, in der Abfahrt und ab da war Liquigas nur noch um Schadensbegrenzung bemüht. Das Feld flog auseinander, an die Spitze setzte sich eine kleinere Gruppe mit Namen wie Alexandre Vinokourov (Astana), Linus Gerdemann und Thomas Rohregger (beide Team Milram). Kurz nach der 20-Kilometer-Marke bog man auf die gefürchteten Schotterstraßen ein, die durch den Regen nicht mit Staub, sondern Schlamm bedeckt waren.


Weiterer Bericht: Evans gewinnt spektakuläre Giro Etappe

Vinokourov immer in der Attacke, Evans erweist sich als hartnäckiger Gegner
Bald fand sich auch Weltmeister Cadel Evans (BMC Racing Team) an der Seite von Vinokourov ein - sie sollten später die Männer des Tages werden. Die Führungsgruppe wuchs wieder etwas an, wurde dann aber von Vinokourov gesprengt, der in den bis zu 16% steilen strade bianche Rampen attackierte. Es war der Moment, als die entscheidende Selektion an der Spitze passierte. Evans hielt souverän das Hinterrad des Kasachen, hinzu kamen noch der vorher einmal abgehängte Pinotti, Damiano Cunego (Lampre), Stefano Garzelli (Acqua & Sapone), David Arroyo (Caisse d’Epargne) und John Gadret (Ag2r). Zehn Kilometer vor Schluss hatten diese Sieben eine halbe Minute Vorsprung auf die nächsten Fahrer. Zum wiederholten Male griff Vinokourov an, wurde Evans und Arroyo aber nicht los. Noch fünftausend Meter, der Schotter war überstanden aber noch ging es ein Stück bergauf und die beiden kleinen Gruppen fanden wieder zusammen. Wer sonst als Vinokourov, versuchte in der kurzen Abfahrt alleine davon zu fahren, doch wieder sorgte Evans dafür, dass ihm das nicht gelang.

Evans triumphiert im schlammbeschmierten Regenbogentrikot
Auf der ansteigenden Zielgeraden in Montalcino zog Evans den Sprint an und durch. Der frühere oft glücklose Weltmeister hat das Siegen gelernt, holte am Ende eines kräftezehrenden und denkwürdigen Rennens seinen zweiten großen Erfolg in diesem Jahr nach dem Gewinn des Flèche Wallonne. Cunego und Vinokourov kamen mit zwei, Pinotti mit sechs Sekunden Rückstand an. Arroyo, Garzelli und Gadret hatten nicht mehr mithalten können. Die Zeit verging und man wähnte sich am Ende einer Etappe mit Bergankunft. Achter wurde Michele Scarponi (Androni Giocattoli) mit einer Minute Rückstand, dicht gefolgt von den Milram-Fahrern Rohregger und Gerdemann, welche die Plätze elf und zwölf belegten. Das unter all dem Schlamm kaum noch zu erkennende Rosa Trikot trug Vincenzo Nibali mit genau zwei Minuten Verlust ins Ziel, nach harter Verfolgungsarbeit seiner Liquigas-Mannschaft. Hervorzuheben sind angesichts der widrigen Umstände auch der 19. Platz von Markus Eibegger (Footon-Servetto), dem zweitbesten Österreicher, und Rang 22 vom besten Schweizer Johann Tschopp (Bouygues Telecom).


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Linus Gerdemann Gesamtsiebter nach „Schlammschlacht“ in der Toskana


Die neue Giro-Ordnung: Vinokourov ist der Topfavorit
Im Mannschaftszeitfahren hatte Vinokourov das Rosa Trikot nach nur einem Tag verloren, heute dürfte der Ärger darüber verflogen sein. Denn in der neuen Gesamtwertung hat der zum Giro-Topfavoriten aufgestiegen Astana-Kapitän jetzt schon 1:12 Minute Vorsprung auf Evans, der Platz zwei belegt. Unter den Top10 folgen danach David Millar (Garmin-Transitions), Vladimir Karpets (Katusha), Nibali, Pinotti, Gerdemann, Ivan Basso (Liquigas), Rohregger und Richie Porte (Saxo Bank), der schon zwei Minuten zurück liegt. Für Fahrer wie den zwölftplatzierten Cunego (+3:08) oder Carlos Sastre (+7:06) scheint der Traum vom Giro-Sieg schon vor der ersten Bergetappe vorbei.
Aber wenn man aus den ersten sieben Etappe des Giro d'Italia 2010 eine Lehre ziehen kann, dann die, dass bei dieser Grand Tour alles möglich ist und jeder Tag Überraschungen bereit halten kann, die das Rennen auf den Kopf stellen können. Alexandre Vinokourov heißt der Gewinner der ersten Woche aber es ist noch ein langer, langer Weg bis Verona.

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Leser-Kommentare
Die Schlammschlacht - vormerken für Cycle Award 2010 ;)
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