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Schweizer Johann Tschopp gewinnt Cima Coppi und Königsetappe des Giro d´Italia
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29.05.2010

Schweizer Johann Tschopp gewinnt Cima Coppi und Königsetappe des Giro d´Italia

Info: GIRO D´ITALIA 2010
Autor: Felix Griep (Werfel)
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Vorschau: Cima Coppi am Passo di Gavia als Spitze einer gefährdeten Königsetappe



Ponte di Legno, 29.05.2010 - Zum ersten Mal seit Alex Zülle im Jahr 1998 hat wieder ein Schweizer eine Etappe beim Giro d’Italia gewonnen. Johann Tschopp (Bouygues Telecom) war Erster auf dem höchsten Punkt des Giro, dem Passo di Gavia, und fuhr bei der Bergankunft am Passo del Tonale als Solist ein. Cadel Evans (BMC Racing Team) verpasste den Sieg um 16 Sekunden, Ivan Basso (Liquigas) wurde mit 25 Sekunden Rückstand Dritter und verteidigte seine Führung in der Gesamtwertung vor David Arroyo (Caisse d’Epargne).

Befürchtungen bestätigen sich nicht, Pässe alle befahrbar
Erst wenige Stunden vor dem Start der Königsetappe des Giro wurde bestätigt, dass die 4500 Höhenmeter über die Anstiege Forcola di Livigno und Passo di Gavia bis hin zum Ziel am Passo del Tonale befahrbar waren. Auf der geräumten Straße zum Gavia, der mit 2618 Metern das "Dach" der Rundfahrt ist, fuhr man zwischen riesigen Bergen aufgetürmten Schnees hindurch. Es konnte aber wie geplant zum letzten großen Schlagabtausch in den Bergen kommen.

Sastre, Vinokourov und weitere Topfahrer attackieren an der Forcola di Livigno
Die ersten 40 Kilometer waren die einzigen leichten der 20. Etappe. Von Bormio ging es etwas bergab bis zur Schweizer Grenze und als diese überquert wurde, begann die Kletterei. Fast 2000 Höhenmeter ging es zur Forcola di Livigno hinauf, wo die Bergwertung die Rückkehr nach Italien markierte. Eine frühe Spitzengruppe zerfiel in der Steigung recht schnell, bis nur der Ire Daniel Martin (Garmin-Transitions) an der Spitze verblieb. Um ihn bildete sich dann eine große Gruppe von 20 Mann mit einigen Hochkarätern, die auch die Gesamtwertung im Auge hatten. Mit Marco Pinotti (HTC-Columbia) und Damiano Cunego (Lampre) waren der Zehnte und Elfte dabei. Der Sechste, Carlos Sastre (Cervélo TestTeam) kam noch hinzu, ebenso wie Gilberto Simoni (Lampre), der bei der letzten Giro-Bergetappe seiner Karriere noch einmal etwas zeigen wollte. Auch Alexandre Vinokourov (Astana), der Gesamtachte, setzte nach und erreichte die Gruppe kurz vor dem Gipfel. Die Punkte holte sich dort Matthew Lloyd (Omega Pharma-Lotto) ab, der zwar gestern die Führung in der Bergwertung an Ivan Basso (Liquigas) verlor, stellvertretend aber immer noch das Grüne Trikot tragen durfte, das er sich heute sichern wollte.

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Lloyd entscheidet die Bergwertung, Tschopp schlägt Simoni auf dem Gavia
Die nächsten beiden Anstiege zum Passo di Eira und Passo die Foscagno waren nicht so lang und die noch 15-köpfige Spitzengruppe blieb eine Zeit lang zusammen. Lloyd gewann auch am Eira und kam seinem persönlichen Tagesziel immer näher. Den Foscagno überquerte der Australier allerdings nur als Zweiter, denn dort hatte Stefano Pirazzi (Colnago-CSF) angegriffen. Der junge Italiener ging mit 50 Sekunden Vorsprung in die Abfahrt zurück nach Bormio, die Hauptgruppe um Ivan Basso und sein wieder äußerst starkes Liquigas-Team folgte eine weitere Minute dahinter, kontrollierte die Vorausfahrenden und ihren Vorsprung souverän. Als es die 25 Kilometer Anstieg zum Gavia hinaufging, hatte Pirazzi seinen Vorsprung noch einmal um eine halbe Minute ausgebaut, sollte ihn aber allmählich wieder einbüßen und schließlich gestellt werden. Fünf Kilometer unterhalb des Gipfels blieben noch sechs Fahrer an der Spitze. Neben Sastre, Vinokourov, Pinotti, Lloyd und Simoni war noch der Schweizer Johann Tschopp (Bouygues Telecom) dabei, der bald zum Mittelpunkt des Geschehens werden sollte. Als Simoni antrat, konnte nur Tschopp ihm folgen und das Duo sprintete auf dem Gavia die Cima Coppi aus, die der Schweizer in einem schönen Zweikampf gewann. Lloyd sollte der dritte Platz reichen, um den Gewinn des Grünen Trikots endgültig sicherzustellen.

Tschopp gelingt erster Schweizer Sieg seit zwölf Jahren
Johann Tschopp nahm den Schwung vom Bergsprint mit in die Abfahrt und fand sich schnell alleine an der Spitze wieder. Bis der Schlussanstieg begann, hatte er mehr als eine Minute Vorsprung herausgeholt und durfte vom Etappensieg träumen. Vinokourov bildete mit Daniele Righi (Lampre) ein Verfolgerduo, dahinter versammelten sich die anderen Topfahrer um Basso. Drei Kilometer vor Schluss griff daraus Evans ans und riss noch einmal alles auseinander. Beinahe hätte es für den Australier sogar noch zu seinem zweiten Sieg gereicht, 16 Sekunden fehlten ihm im Ziel aber noch zu Tschopp. Der holte völlig unerwartet den ersten Schweizer Tagessieg beim Giro d’Italia, seit Alex Zülle im Jahr 1998 gleich drei Mal erfolgreich war. Nach 25 Sekunden sprintete Basso gegen Michele Scarponi (Androni Giocattoli) zu Platz drei, was sich als enorm wichtig für Vincenzo Nibali (Liquigas) erweisen sollte, der mit David Arroyo (Caisse d’Epargne) nach gut 40 Sekunden einkam und nur um eine Sekunde seinen Podiumsplatz verteidigte. Basso führt nun 1:15 Minute vor Arroyo und hat seinen zweiten Giro-Sieg so gut wie sicher. Nibali wird sich mit Scarponi aber noch ein heißes Duell um Platz drei liefern, beide liegen eng beisammen fast drei Minuten in Rückstand. Evans wird wohl Fünfter werden, müsste morgen im Zeitfahren fast eine Minute aufholen, um noch aufs Podium zu kommen, hat aber das Rote Trikot als Führender der Punktewertung nun fast zu hundert Prozent sicher.

Tondo und Garzelli geben auf, Gerdemann nun 16.
Die Abstände waren nicht so groß wie auf der gestrigen Etappe über den Mortirolo, dennoch verlor die Hälfte der 139 Fahrer, die das Ziel erreichten, über eine halbe Stunde. Zu den fünf Ausfällen des Tages gehörten auch Xavier Tondo (Cervélo TestTeam) und Bergzeitfahr-Gewinner Stefano Garzelli (Acqua & Sapone), die den Anstrengungen Tribut zollen mussten. Die Mannschaftsleistung von Liquigas macht noch beeindruckender, dass es nun das einzige noch vollzählige Team im Rennen ist. Linus Gerdemann (Team Milram) verlor als 39. fast eine Viertelstunde auf den Sieger, bleibt aber nach wie vor bester deutschsprachiger Fahrer der Italien-Rundfahrt. In der Gesamtwertung verlor er drei Positionen und ist nun 16., womit er seine bisher stärkste Leistung bei einer Grand Tour, den 24. Platz bei der Tour de France 2009, klar übertroffen hat.

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Foto: Sabine Jacob, www.eventfoto-jacob.de

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