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Viscontis Solo-Flucht vom Télégraphe zum Galibier mit Giro-Etappensieg gekrönt
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19.05.2013

Viscontis Solo-Flucht vom Télégraphe zum Galibier mit Giro-Etappensieg gekrönt

Info: GIRO D´ITALIA 2013
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Heike Oberfeuchtner (H.O.)



Col du Galibier/Les Granges, 19.05.2013 - Bei Schneegestöber und Eiseskälte hat Giovanni Visconti (Movistar) die leicht verkürzte Bergankunft am Galibier im Rahmen der 15. Etappe des Giro d'Italia gewonnen. Der 30-jährige Italiener hatte sich beim ersten Bergpreis des Tages, am Mont Cenis, zusammen mit sechs anderen Fahrern aus dem Feld abgesetzt und konnte seine verbliebenen Begleiter am Col du Télegraphe abschütteln. In den Reihen der Klassementsfahrer gab es zahlreiche Angriffe, doch die für Nibalis Rosa Trikot wirklich gefährlichen konnte Astana abschmettern. Auf dem letzten Kilometer startete Carlos Alberto Betancur (Ag2r-La Mondiale) eine Attacke aufs Weiße Trikot, die ihn auf Platz zwei der Etappe beförderte (+0:42) und dank der Zeitgutschrift zum neuen Führenden im Nachwuchsklassement machte.

Bummeltempo und breite Front am Mont Cenis
Nach der nebligen Schneeregen-Etappe gestern hatte man sich für heute auf das Schlimmste gefasst gemacht. Denn schließlich waren die Regensturzbäche, von welchen die Giro-Teilnehmer seit Tagen durchnässt werden, oberhalb von 2000 Metern als Schnee heruntergekommen. Doch diesmal fiel die Überraschung positiv aus: Die zweite Alpenetappe musste um lediglich 4,25 Kilometer gekürzt werden, indem man die Galibier-Ankunft vom eigentlichen Gipfel nach Les Granges vorverlegte. Nach intensiven Räumungsarbeiten waren die Passtraßen so weit frei und die Lawinengefahr war offenbar auch so weit gebannt, dass einer Überquerung des Mont Cenis und des Col du Télégraphe nichts im Wege stand, zumal neue Niederschläge zunächst ausblieben. Natürlich war es in gewissen Höhen dennoch bitterkalt und so verwundert es nicht, dass die 180 Rennfahrer, die im Olympiaort Cesana Torinese gestartet waren, den ersten Anstieg des Tages (Kat.1) quasi neutralisiert und in gemächlichem Tempo zurücklegten. In breiter Front zog das Peloton an den zu weißen Wänden aufgestauten Schneemassen vorbei und überquerte stoisch die italienisch-französische Grenze, welche etwas unterhalb des Mont Cenis-Gipfels verläuft.

Pirazzis Jagd auf Bergpunkte bringt Fluchtgruppe ins Rollen
Erst kurz vor dem Scheitelpunkt brach Stefano Pirazzi (Bardiani Valvole) das Waffenstillstandsabkommen. Der Träger des Blauen Trikots zog bei seiner Tempoverschärfung sechs weitere Fahrer mit sich - darunter Robinson Chalapud (Colombia), mit der sich auf der neunten Etappe bereits einen heftigen Schlagabtausch geliefert hatte. Doch Pirazzi wusste sich der Konkurrenten zu erwehren und nahm die maximale Anzahl von 15 Bergpunkten mit in die Abfahrt. Die Gruppe, zu der außerdem Miguel Rubiano (Androni), Pirazzis Teamkollege Francesco Bongiorno, Pieter Weening (Orica), Matteo Rabottini (Vini Fantini) sowie mit Giovanni Visconti ein früherer Träger der Maglia Azzurra gehörten, lag bald mit ca. 6 Minuten Vorsprung vor dem Feld. Dort war man hauptsächlich damit beschäftigt, die wärmenden Kleidungsstücke auszuziehen und sich der Sonnenstrahlen, die im wahrsten Sinne des Wortes zum Vorschein kamen, zu erfreuen.

Starke Verfolgergruppe um Gesink und Henao
Doch nur bis zum Fuße des Col du Télégraphe blieb die Situation so stabil. Dort drängte zunächst Lotto-Belisol die Astana-Mannschaft um Vicenzo Nibali aus der Führungsarbeit. Eine Attacke von Francis de Greef, an Gesamtrang 24 gelegen, scheiterte allerdings nach wenigen Kilometern kläglich. Erfolg hatte hingegen Robert Gesink (Blanco Pro), der seit seinem Absturz gestern keine unmittelbare Bedrohung für den Gesamtführenden mehr darstellte und der sich gemeinsam mit Egoi Martinez (Euskaltel) aus dem Staub machte. Diesem Beispiel folgten Robert Kiserlovski (Radioshack), Sergio Henao (Sky) und Danilo di Luca (Vini Fantini). Astana hatte offensichtlich ein paar Schwierigkeiten, den Deckel draufzuhalten, doch noch bestand kein Grund zur Panik. Unterdessen war die Spitzengruppe in Auflösung begriffen: Bongiorno fiel als Erster zurück und wurde bald von Gesink und Co. überholt. Rubiano und Chalapud fielen ebenfalls in die Verfolgergruppe zurück. Vorne verblieben nur noch Pirazzi, Weening, Rabottini und Visconti - zumindest so lange bis der ehemalige italienische Meister seinen letztlich siegreichen Vorstoß wagte.

Rabottini setzt Visconti nach
Am Gipfel des Télégraphe, dem die Giro-Veranstalter lediglich Kategorie 2 zugestanden hatten, verdiente Visconti sich 9 Punkte. Pirazzi spekulierte natürlich auf Platz zwei, wurde aber von Pieter Weening auf der Wertungslinie noch abgefangen. Vielleicht brachte dieser Vorfall Uneinigkeit in die jetzt erste Verfolgergruppe. Jedenfalls zerlegte sie sich am Fuße des Galibier ein weiteres Mal, als Rabottini die Zänkereien der beiden anderen ausnutzte, um sich davonzustehlen. Die Gesink/Henao/Di Luca-Gruppe, zu der sich oben auf dem Télégraphe auch Viscontis Teamkollege Jose Herrada gesellt hatte, lag zu diesem Zeitpunkt noch vor dem Feld. Doch sie geriet in Existenznot, als der Nachwuchsbeste Rafal Majka (Saxo-Tinkoff) und der Gesamtfünfte Michele Scarponi (Lampe-Merida), der gestern viel Zeit verloren hatte, Angriffe lancierten. Nibalis zwei verbliebene Helfer waren zu einer Tempoverschärfung gezwungen, welcher die stark besetzte achtköpfige Gruppe zum Opfer fiel.

Astana behält den Überblick
Kaum war ihr Teamkapitän Gesink wieder eingefangen, versuchten Juan Manuel Garate und Wilco Kelderman ihr Glück. Auch Samuel Sanchez (Euskaltel-Euskadi), der gestern einen hervorragenden vierten Platz belegt hatte, und Ivan-Basso-Ersatzmann Damiano Caruso (Cannondale) gaben fünf Kilometer vor dem Ziel Fersengeld, woraufhin Michele Scarponi es erneut probierte. Doch Astana behielt die Ruhe und konnte alle Lücken wieder zufahren, wobei Nibali - durch eine scheinbare Schwäche des Gesamtzweiten Cadel Evans (BMC) animiert - selber noch einmal das Tempo anzog. Auch Weenings und Pirazzis Flucht kam auf diese Weise an ihr Ende. Rabottini bemühte sich sichtlich, den zweiten Platz abzusichern, doch auf den letzten, steilen Kilometern und im immer dichter werdenden Schneegestöber verließen ihn die Kräfte. Kurz vor der Flamme Rouge startete dann Carlos Betancur (Ag2r) eine Attacke, die von Majka und auch von dessen polnischem Landsmann Przemyslaw Niemiec (Lampre) gekontert wurde.

Betancur wieder "nur" Zweiter, aber im Besitz der Maglia Bianca
Auf Giovianni Visconti hatten die Bewegungen in der Gruppe der Klassementsfahrer keine Auswirkungen mehr. Nach 144 Kilometern feierte der 30-Jährige seinen ersten Sieg in diesem Jahr - und zugleich seinen seinen ersten "echten" Giro-Etappensieg. 2011 war er deklassiert worden, 2008 fuhr er mehrere Tage in Rosa, aber ohne Tageserfolg. Mit Marco Pantani, an dessen Denkmal sich das Ziel in Les Granges befand, hat Visconti außer dem Galibier-Triumph übrigens noch etwas gemein: den Geburtstag am 13. Januar. 42 Sekunden hinter dem glücklichen Solisten, aber noch vor Niemiec und Majka fuhr Betancur über die Ziellinie und belegte damit zum dritten Mal bei diesem Giro den zweiten Platz. Die Enttäuschung des Kolumbianers dürfte sich aber in Grenzen halten, denn immerhin brachten ihm die 12 Sekunden Zeitbonus das Weiße Trikot und den siebten Rang im Gesamtklassement ein.

Visconti macht in der Bergwertung einen Sprung nach vorn
Die Spitze der Maglia Rosa-Wertung veränderte sich trotz all der Attacken ansonsten wenig. Einzig der Zeit- und Positionsverlust von Domenico Pozzovivo (Ag2r) fällt auf. Der kleine Kletterkünstler musste, durch einen Sturz zurückgeworfen und geschwächt, im Anstieg zum Galibier abreißen lassen. In der Punktewertung konnte Cadel Evans auf Mark Cavendish (Omega Pharma) weiter Boden gutmachen - noch ruht die Maglia Rossa aber auf den Schultern des Briten. In der Bergwertung ist Etappensieger Visconti bis auf 23 Punkte an Pirazzi herangekommen - um Blau könnte es also noch einmal spannend werden. Ganz davon abgesehen führt der Movistar-Mann nun die Wertung des kämpferischsten Fahrers an. Die Ergebnisse der beiden Zwischensprints fielen kaum ins Gewicht. Visconti konnte sich hier aber immerhin auf Platz fünf hinter Spitzenreiter Rafael Andriato (Vini Fantini) verbessern. Eine der besten Nachrichten des Tages zum Schluss: Alle gestarteten Fahrer haben das Ziel erreicht, es gab keine Aufgaben auf der monumentalen 15. Etappe.

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Auf den zweiten Ruhetag morgen folgt noch einmal ein besonders langes Teilstück. Die 16. Etappe führt über 238 Kilometer von Valloire, das heute bereits passiert wurde, zurück nach Italien, und zwar wiederum über den Mont Cenis. Bei Andrate muss eine weitere Bergwertung (3. Kat.) absolviert werden, bevor man nur 18 Kilometer später in Ivrea das Ziel erreicht.





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