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Pinot fährt Bardet aus dem Weißen Trikot - Ausreißer Rogers knüpft in den Pyrenäen an den Giro an
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22.07.2014

Pinot fährt Bardet aus dem Weißen Trikot - Ausreißer Rogers knüpft in den Pyrenäen an den Giro an

Info: TOUR DE FRANCE 2014
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Bagnères-de-Luchon, 21.07.2014 – Seit Richard Virenque in den Jahren 1996 und 1997 hat es kein Franzose mehr auf das Podium der Tour de France geschafft. Diesmal hoffen gleich drei heimische Fahrer, den dritten, vielleicht sogar zweiten Platz in der Gesamtwertung erreichen zu können. Auf der 16. Etappe lieferte am ersten Tag in den Pyrenäen Thibaut Pinot (FDj.fr) die stärkste Leistung ab, sorgte mit einer Attacke am Port de Balès dafür, dass sein ärgster Rivale Romain Bardet (AG2R La Mondiale) zurückfiel. Ihm nahm Pinot nicht nur den dritten Platz im Klassement, sondern zugleich das Weiße Trikot ab. Um den Etappensieg kämpften aber andere Fahrer, weil das Feld eine Ausreißergruppe weit ziehen gelassen hatte. Der zweifache Giro-Etappensieger Michael Rogers (Tinkoff-Saxo) war stärker als ein Europcar-Duo und triumphierte nun auch bei der Tour. Michal Kwiatkowski (Omega Pharma-Quick Step) katapultierte sich durch die Flucht zurück in die Top10.


Tines Tour-Talk: Die Pyrenäen

Kampf um die Gruppe endet erst nach fast zwei Stunden
237,5 Kilometer standen heute bei der Tour de France auf dem Programm. Zum Glück war gestern Ruhetag, so konnte Kraft getankt werden für das längste Teilstück der Rundfahrt, das die noch 169 Fahrer auf den letzten 100 Kilometern in die Pyrenäen hineinführte. Weltmeister Rui Costa (Lampre-Merida), der auf Platz 13 der Gesamtwertung lag und damit auf dem Weg zum besten Tour-Ergebnis seiner Karriere war, trat wegen einer Lungenentzündung nicht an. Andere Gründe hatte das Fehlen von Simon Yates (Orica-GreenEdge): Der zweitjüngste Starter hatte mit der Teilnahme an zwei langen Fluchten das Soll erfüllt, wurde zur Schonung aus dem Rennen genommen. Als einzige im Hochgebirge, die nicht mit einer Bergankunft endet, war die 16. Etappe prädestiniert für Ausreißer, was natürlich jeder wusste. Eine Stunde lang wurde immer aufs Neue angegriffen und eingeholt, bis sich zwölf Fahrer absetzen konnten. Das Dutzend wurde beinahe wieder eliminiert, weil das Tempo im Feld in die Höhe schoss, als 50 Fahrer um Jurgen van den Broeck (Lotto Belisol) und Richie Porte (Sky) zeitweise den Anschluss verloren hatten. Nach gut 70 Kilometern beruhigte sich die Situation und als neun weitere Fahrer den Sprung nach vorne geschafft hatten, wurde die Gruppe fahren gelassen.

Kwiatkowski klettert zurück in die Top10 der Gesamtwertung
21 Ausreißer wurden es also (vollständige Liste im LiVE-Ticker, Eintrag von 12:52 Uhr). Europcar, wie im vergangenen Jahr noch ohne Etappensieg, hatte die Mission, diese Durststrecke zu beenden, gleich mit drei Fahrern angetreten. Kévin Réza, Cyril Gautier und Thomas Voeckler bildeten ein vielversprechendes Trio. Zunächst war aber Michal Kwiatkowski (Omega Pharma-Quick Step) derjenige, auf den sich die meiste Aufmerksamkeit konzentrierte. Während der Vorsprung auf das Peloton größer und größer wurde, rutschte der bisherige 16. im virtuellen Gesamtklassement immer weiter hinauf. Der Pole wurde am Ende zwar nur Siebter der Etappe und hatte mit der Entscheidung um den Sieg letztlich nichts zu tun, steht als Gesamtneunter nun aber wieder in den Top10. Das Maximum des Vorsprungs betrug gut zwölf Minuten, als mit Col de Portet-d’Aspet (Kat. 2) und Col des Ares (Kat. 2) die ersten beiden kleineren Pyrenäen-Berge absolviert waren und mit dem Port de Balès (Kat. HC) der schwerste bevorstand. Als im Zuge der fortlaufenden Selektion die Gruppe auf sieben Fahrer geschrumpft war, versuchten Voeckler und Gautier mit abwechselnden Attacken eine Vorentscheidung für sich herbeizuführen, was nicht ganz so gut klappte wie erhofft. Schuld daran war vor allem der enorm starke Michael Rogers (Tinkoff-Saxo).

Rogers holt seinen dritten Grand Tour-Etappensieg 2014
Rogers, Voeckler und José Serpa (Lampre-Merida) erreichten die 21,5 Kilometer vor dem Ziel gelegene Bergwertung 22 Sekunden vor Gautier und Vasil Kiryienka (Sky), die nach der Hälfte der Abfahrt den Anschluss wiederherstellten. Da war klar, dass aus diesem Quintett der Tagessieger kommen würde. Wieder versuchte Europcar, seine taktisch gute Ausgangssituation zu nutzen, was diesmal aber völlig in die Hose ging. Fünf Kilometer vor Schluss holte Gautier mit einer Attacke einen kleinen Vorsprung heraus – Rogers konterte, holte ihn ein, zog vorbei und war weg. Der vom Fehlschuss seines Teamkollegen sichtlich genervte Voeckler, Kiryienka, Serpa und Gautier folgten in dieser Reihenfolge mit neun Sekunden Rückstand. Insgesamt 15 Ausreißer kamen vor der ersten Favoritengruppe im Ziel an. Bei seiner zehnten Teilnahme an der Tour de France feierte Rogers seinen ersten Sieg; und das, nachdem er im Mai schon zwei Etappen beim Giro d’Italia gewonnen hatte. Mit diesen Erfolgen hat der 34-jährige Australier seinen Clenbuterol-Fall vom Dezember 2013, der zu einem Doping-Verfahren führte, welches im April eingestellt wurde, in der Öffentlichkeit fast vollkommen vergessen gemacht. Rogers hatte das Mittel, wegen dem einst Alberto Contador für zwei Jahre gesperrt wurde, der UCI zufolge glaubhaft auf verunreinigtes Fleisch zurückführen können.

Duell der Franzosen um Weiß: Bardet hilflos bei Pinots Angriff
Auch wenn es das Feld so lange wie möglich ruhig angehen ließ – der Port de Balès markierte das Ende aller Zurückhaltung. Dem durch Movistar erhöhten Tempo fielen bald schon einige Top20-Fahrer zum Opfer und schließlich sogar der Tour-Fünfte Tejay van Garderen (BMC Racing Team). Richtig dramatisch wurde es beim Angriff von Thibaut Pinot (FDJ), der Romain Bardet (AG2R La Mondiale) zum Kampf um das Weiße Trikot herausforderte. Ein Kampf, der – zumindest für diesen Tag – schnell entschieden war. Nur Vincenzo Nibali (Astana), Alejandro Valverde (Movistar) und Jean-Christophe Péraud (AG2R La Mondiale) konnten mit Pinot Schritt halten, Bardet quälte sich ganz alleine zwei Minuten hinter dieser Gruppe über den Gipfel. In der Abfahrt bekam er zwar Unterstützung durch seinen Teamkollegen Samuel Dumoulin, der sich von den Ausreißern zurückfallen ließ. Aber Pinot hatte auf diese Art mit Jérémy Roy ebenfalls einen neuen Helfer erhalten. So änderte sich der Abstand nur noch minimal. Die Pinot-Gruppe, zu der kurz vor Schluss Leopold König (NetApp-Endura) hinzustieß, kam 8:32 Minuten nach Rogers ins Ziel. Für Bardet blieb die Uhr erst bei 10:22 Minuten stehen. 9:43 Minuten wurden es für Laurens ten Dam (Belkin), 11:32 Minuten für van den Broeck, Bauke Mollema (Belkin) und Fränk Schleck (Trek Factory Racing), 12:08 Minuten für eine Gruppe um van Garderen.

Wechsel des Bergtrikots
Es war ein Ergebnis, das viele Änderungen in der Gesamtwertung mit sich brachte. Nibali führt noch immer 4:37 Minuten vor Valverde und 5:06 Minuten vor Pinot. Letzterer ist jetzt aber auf den dritten Platz vorgerückt. Bardet (+6:40) rutschte auf Rang fünf ab, musste auch seinen Teamkollegen Péraud (+6:08) passieren lassen. In der Nachwuchswertung beträgt die Differenz zwischen Pinot und Bardet 1:34 Minute. Van Garderen (+9:25) kam mit einem Platz Verlust glimpflich davon, der um eine Position verbesserte König (+9:32) sitzt ihm jedoch im Nacken. Laurens ten Dam (+11:12) ist als Achtplatzierter neuer Topmann von Belkin, nachdem Mollema (+11:33) von Platz sieben auf zehn zurückfiel. Einen Führungswechsel gab es nicht nur in der Nachwuchs-, sondern auch in der Bergwertung, obwohl weder Joaquin Rodriguez (Katusha) noch Rafal Majka (Tinkoff-Saxo) bei den größeren Anstiegen am Etappenende eine Rolle spielten. Es war die Côte de Fanjeaux, eine 4. Kategorie bei Kilometer 25, wo Majka einen Punkt holte, der ihn in diesem Duell mit 89 zu 88 in Führung brachte. Das Gepunktete Trikot als Sahnehäubchen für den Sieg von Rogers. Drei Tage nach dem Sieg von Rafal Majka in Risoul helfen diese weiteren Erfolge Tinkoff-Saxo, besser über das Ausscheiden von Contador hinwegzukommen.

-> Zum Resultat

Die 17. Etappe ist das erste von zwei aufeinanderfolgenden kurzen Pyrenäen-Teilstücken, die mit Bergankünften enden. Die ersten 50 der 124,5 Kilometer sind noch flach, bevor drei Berge der 1. Kategorie zu bewältigen sind. Am Ende klettert man nach Saint-Lary/Pla d’Adet (10,2 km à 8,3%).





Nach zwei Etappensiegen beim Giro gewinnt Michael Rogers erstmals eine Etappe der Tour de France (Foto: Veranstalter/letour.fr)
Nach zwei Etappensiegen beim Giro gewinnt Michael Rogers erstmals eine Etappe der Tour de France (Foto: Veranstalter/letour.fr)

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