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Wertungs-Überblick am 3. Ruhetag des Giro: Zeitfahrer in Rosa und Weiß, Ciclamino entschieden, Blau völlig offen
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22.05.2017

Wertungs-Überblick am 3. Ruhetag des Giro: Zeitfahrer in Rosa und Weiß, Ciclamino entschieden, Blau völlig offen

Info: GIRO D’ITALIA 2017 (2.UWT)
Autor: Felix Griep (Werfel)



22.05.2017 – Es ist der letzte Ruhetag beim 100. Giro d'Italia und eine unvergleichlich schwere letzte Woche liegt vor den Fahrern. Während die Punktewertung praktisch schon entschieden ist, fängt der Kampf um das Bergtrikot in der finalen Woche erst richtig an. Tom Dumoulin und Bob Jungels müssen ihre Trikots in den Farben Rosa und Weiß an den kommenden fünf Tagen in den Bergen gegen starke Konkurrenz verteidigen, haben aber noch das Zeitfahren am Schlusstag der Rundfahrt als Ass im Ärmel. Wie schon am ersten und am zweiten Ruhetag schauen wir heute aber nicht nur auf die Stände dieser Wertungen, sondern auch aller weiteren Speziaklassemente.


Alle Wertungen und Punktelisten:
Reglement Giro d’Italia 2017


Führungsverläufe





Die Trikot-Wertungen

  Nachdem er vorgestern in Oropa seine Führung nicht nur verteidigt, sondern sogar ausgebaut hatte, machte sehr schnell eine Statistik die Runde, welche zeigte, dass seit dem Zweiten Weltkrieg kein Fahrer mehr das Rosa Trikot verloren hat, der zu diesem Zeitpunkt im Rennen ein solch großen Vorsprung hatte wie Tom Dumoulin. Doch angesichts der extrem schweren letzten Woche darf der 26-Jährige keinesfalls zu früh feiern. Das weiß der Niederländer auch aus eigener Erfahrung von der Vuelta a España 2015, als er durch einen Einbruch auf der letzten Bergetappe das Leadertrikot verlor und auf Rang sechs zurückfiel.
  Damals hatte die Astana-Doppelspitze Aru/Landa Dumoulin am vorletzten Berg attackiert und danach mit Hilfe zweier Teamkollegen, die als Ausreißer vorausgefahren waren, weit abgehängt. Eine solche Taktik könnte auch für Movistar um die Zweit- und Neuntplatzierten Nairo Quintana und Andrey Amador das ultimative Erfolgsrezept sein, um das Rosa Trikot an sich zu reißen. Chancen für frühe Angriffe auf den Leader, dessen Mannschaft deutlich schwächer einzuschätzen ist, bieten sich viele: Vor allem die Etappen 16, 18 und 20 sind prädestiniert dafür, nicht erst am letzten Berg entschieden zu werden.
  Es scheint alles auf einen Zweikampf Dumoulin vs. Quintana (bzw. Dumoulin vs. Movistar) hinauszulaufen. Doch die Fahrer auf den Rängen drei bis fünf sollte man auch noch lange nicht abschreiben. Thibaut Pinot, Vincenzo Nibali und Ilnur Zakarin sind Rennfahrer, die auch gerne einmal etwas Risiko eingehen und „verrückte“ Dinge probieren, mit denen sie die Konkurrenz überraschen können. Sie müssten aber, genau wie Quintana, auf den fünf anstehenden Hochgebirgsetappen nicht nur ihren Rückstand auf Dumoulin wettmachen, sondern genügend Vorsprung herausfahren, um auf den 29,3 Zeitfahrkilometern am letzten Tag nicht wieder von ihm überholt zu werden.

Gesamtwertung
1 Tom Dumoulin (Ned) Team Sunweb 63:48:08
2 Nairo Alexander Quintana Rojas (Col) Movistar Team 0:02:41
3 Thibaut Pinot (Fra) FDJ 0:03:21
4 Vincenzo Nibali (Ita) Bahrain - Merida 0:03:40
5 Ilnur Zakarin (Rus) Team Katusha - Alpecin 0:04:24
6 Bauke Mollema (Ned) Trek - Segafredo 0:04:32
7 Domenico Pozzovivo (Ita) Ag2r La Mondiale 0:04:59
8 Bob Jungels (Lux) Quick Step Floors 0:05:18
9 Andrey Amador Bikkazakova (CRc) Movistar Team 0:06:01
10 Steven Kruijswijk (Ned) Team LottoNL - Jumbo 0:07:03
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  Wenn er die Bergetappen der letzten Woche übersteht und das Ziel des Giro d'Italia erreicht, ist Fernando Gaviria der Gewinn der Punktewertung sicher. Da es maximal noch 184 Punkte zu holen gibt (100 bei den Zielankünften, 84 an den Zwischensprints) hat einzig Jasper Stuyven die rechnerische Möglichkeit, den vierfachen Etappensieger noch abzufangen, müsste dazu aber mindestens 134 Punkte holen. Eine Utopische Summe für den sicher nicht als herausragenden Kletterer bekannten Belgier.
  Sollte Gaviria die schwersten Etappen seiner ersten Grand Tour nicht überstehen und ausscheiden, wäre wiederum Stuyven wohl ziemlich sicher Gewinner des Ciclamino-Trikots. Denn von den Top-Fahrern der Gesamtwertung, die in der Schlusswoche am meisten punkten dürften, liegen Tom Dumoulin (65 Punkte), Bob Jungels (58) und Nairo Quintana (46) als Beste weit mehr als hundert Punkte hinter ihm.

Punktewertung
1 Fernando Gaviria Rendon (Col) Quick Step Floors 325 Punkte
2 Jasper Stuyven (Bel) Trek - Segafredo 192
3 Sam Bennett (Irl) Bora - Hansgrohe 117
4 Lukas Pöstlberger (AUT) Bora - Hansgrohe 98
5 Daniel Teklehaimanot (Eri) Team Dimension Data 86
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  So deutlich wie sich die Situation in der Punktewertung darstellt, so offen ist der Kampf um das Bergtrikot. Die bisherigen Punktzahlen der Besten sind Nichts im Vergleich zu dem, was noch zu holen ist. Allein auf de 16. Etappe sind bis zu 150 Punkte zu möglich: 70 auf dem Mortirolo (1. Kategorie, zählt als „Salita Scarponi“ doppelt), 45 auf dem Stelvio (Cima Coppi) und 35 auf dem Umbrailpass (1. Kategorie). Aber auch auf den Etappen 17 (37 Punkte), 18 (65), 19 (57) und 20 (73) kann man noch große Beute machen.
  Fahrer wie Omar Fraile und Jan Polanc, die nicht damit rechnen dürfen, in den Etappenfinals mit den Favoriten auf den Gesamtsieg mithalten zu können, haben daher wohl keine andere Wahl, als gleich auf er 16. Etappe ihr Heil in der Flucht zu suchen. Ein Double aus Mortirolo- und Stelvio-Bergwertung wäre für sie ungemein wichtig.

Bergwertung
1 Tom Dumoulin (Ned) Team Sunweb 51 Punkte
2 Omar Fraile Matarranz (Esp) Team Dimension Data 49
3 Jan Polanc (Slo) UAE Team Emirates 46
4 Nairo Alexander Quintana Rojas (Col) Movistar Team 44
5 Ilnur Zakarin (Rus) Team Katusha - Alpecin 37
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  Im Vierkampf um das Weiße Trikot gibt es weiterhin zwei klare Favoriten. Bob Jungels, der es 2016 schon einmal gewann, zeigte in der damaligen (etwas leichteren) Schlusswoche, dass er sein Leistungsniveau bis zum Ende halten kann, verbesserte sich in der Gesamtwertung noch von Rang acht auf sechs. Ähnliche Konstanz zeigte Adam Yates bei der Tour de France 2016, in deren letzter Woche er lediglich eine Position verlor und am Ende als Vierter ebenfalls bester Nachwuchsfahrer war.
  Davide Formolo und Jan Polanc haben sich noch nicht so große Namen gemacht wie Jungels und Yates, liegen aber ebenfalls noch zu nah an Platz eins, um sie schon abzuschreiben. Nicht auszuschließen, dass die letzte Giro-Woche für einen dieser beiden den ganz großen Durchbruch bedeutet. Während in den Bergen alles möglich ist, hat Jungels das abschließende Zeitfahren als Trumpf in der Hinterhand. Im Kampf gegen die Uhr auf der 9. Etappe nahm er all seinen Nachwuchs-Konkurrenten deutlich mehr als zwei Minuten ab.

Nachwuchswertung
1 Bob Jungels (Lux) Quick Step Floors 63:53:26
2 Adam Yates (GBr) Orica - Scott 0:02:25
3 Davide Formolo (Ita) Cannondale - Drapac Pro Cycling Team 0:02:51
4 Jan Polanc (Slo) UAE Team Emirates 0:03:53
5 Laurens De Plus (Bel) Quick Step Floors 0:17:13
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Vorschau auf die nächsten Etappen:
Letzte Woche mit fünf Hochgebirgsetappen


Die Spezial-Wertungen

  Mit seiner Flucht auf der 13. Etappe hat Pavel Brutt die „Teklehaimanot-Ära“ bei diesem Giro beendet. Der Eritreer hatte die Sprint- und Ausreißerwertung seit dem Start auf Sardinien angeführt. Nun liegt dort jeweils der Russe vorn und auch Eugert Zhupa ist nach der Flucht in der ersten Hälfte der gestrigen 15. Etappe mit im Rennen um den Sieg in diesen Spezialklassementen. Da auf drei der fünf verbleibenden Bergetappen der erste Zwischensprint vor der ersten Bergwertung liegt, kann man wohl noch mit weiteren Ausreißversuchen dieser Fahrer rechnen, die sicher nicht zu den Bergspezialisten zählen.
  Durch seine zahlreichen guten Platzierungen bei Zielankünften und Zwischensprints hat Fernando Gaviria nicht nur einen praktisch sicheren Vorsprung in der Punktewertung, er führt auch mit großem Abstand die Combattività-Wertung an. Wie schwer es ist, in hier einzuholen, zeigt folgendes Rechenbeispiel: Selbst bei einem Sieg auf der morgigen 16. Etappe inklusiver Gewinn aller Bergwertungen und Zwischensprints würden Omar Fraile noch immer drei Punkte fehlen, um mit Gaviria gleichzuziehen.

Sprintwertung
1 Pavel Brutt (Rus) Gazprom - RusVelo 44 Punkte
2 Daniel Teklehaimanot (Eri) Team Dimension Data 39
3 Eugert Zhupa (Alb) Wilier Triestina - Selle Italia 39
4 Fernando Gaviria Rendon (Col) Quick Step Floors 32
5 Jasper Stuyven (Bel) Trek - Segafredo 28
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Ausreißerwertung („Classifica Fuga“)
1 Pavel Brutt (Rus) Gazprom - RusVelo 494 Kilometer
2 Eugert Zhupa (Alb) Wilier Triestina - Selle Italia 404
3 Daniel Teklehaimanot (Eri) Team Dimension Data 361
4 Evgeny Shalunov (Rus) Gazprom - RusVelo 347
5 Simone Andreetta (Ita) Bardiani - CSF 342
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Wertung Kämpferischster Fahrer („Classifica Combattività“)
1 Fernando Gaviria Rendon (Col) Quick Step Floors 57 Punkte
2 Jasper Stuyven (Bel) Trek - Segafredo 33
3 Omar Fraile Matarranz (Esp) Team Dimension Data 26
4 Pavel Brutt (Rus) Gazprom - RusVelo 26
5 Daniel Teklehaimanot (Eri) Team Dimension Data 25
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Die Team-Wertungen

  Lagen am Ruhetag heute vor einer Woche sechs Teams in der Mannschaftswertung weniger als 20 Minuten hinter Movistar, ist es jetzt nur noch eine. Der Rückstand Astanas hat sich in der letzten Woche zwar um 23 Sekunden verringert, allerdings haben sie gestern mit dem Ausscheiden Tanel Kangerts nach einem Sturz ihren besten Mann verloren und dürften wohl kaum noch eine ernsthafte Konkurrenz für Movistar sein, das als einziges Team zwei Fahrer in den Top16 der Gesamtwertung hat (Quintana auf Platz zwei, Andrey Amador auf neun). Lediglich mit mehreren erfolgreichen Ausreißversuchen dürfte der spanischen Mannschaft noch beizukommen sein.
  Die bisherigen fünf Etappensiege (vier von Fernando Gaviria, einer von Bob Jungels) haben Quick-Step Floors einen enormen Vorsprung in der Team-Punktewertung verschafft. Wenn Jungels bei den Zielankünften und vielleicht andere Teammitglieder wie Laurens de Plus an den Zwischensprints noch ein paar weitere Punkte sammeln, dürfte ihnen die Spitzenposition wohl kaum noch zu nehmen sein.
  Quick-Step Floors ist, neben Trek-Segafredo und Gazprom-RusVelo, auch eines von nur noch drei Teams, die in der Fair-Play-Wertung ohne Punkte sind, deren Fahrer also noch keine einzige Geld- und Zeitstrafe erhalten haben. Einsames Schlusslicht dieser Wertung ist nach wie vor Bahrain Merida dank der 1000 Punkte für die Disqualifizierung Javier Morenos auf der 4. Etappe

Mannschaftswertung
1 Movistar Team 191:44:22
2 Astana Pro Team 0:05:52
3 UAE Team Emirates 0:20:19
4 Bahrain - Merida 0:20:36
5 FDJ 0:23:08
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Mannschaftswertung nach Punkten („Super Team“)
1 Quick Step Floors 449 Punkte
2 Bora - Hansgrohe 289
3 UAE Team Emirates 267
4 Team Dimension Data 257
5 Trek - Segafredo 241
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Fair-Play-Wertung („Classifica Fair Play“)
1 Trek - Segafredo 0 Punkte
2 Quick Step Floors 0
3 Gazprom - RusVelo 0
4 FDJ 10
5 Team Katusha - Alpecin 10
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