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Bardet und Aru vermasseln Sky auf den letzten 300 Metern den ersten Tour-Tag in den Pyrenäen
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13.07.2017

Bardet und Aru vermasseln Sky auf den letzten 300 Metern den ersten Tour-Tag in den Pyrenäen

Info: TOUR DE FRANCE 2017 (2.UWT)
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Peyragudes, 13.07.2017 – Nach einer sehr dominanten Vorstellung seiner Sky-Mannschaft auf der langen ersten Pyrenäen-Etappe der 104. Tour de France hat ausgerechnet Chris Froome auf dem letzten Kilometer des Schlussanstiegs nach Peyragudes geschwächelt und das Gelbe Trikot verloren. Fabio Aru schob sich in der Gesamtwertung sechs Sekunden am dreifachen Gesamtsieger vorbei und ist der neue Träger des Maillot Jaune. Der Stärkste im Bergsprint war allerdings noch ein anderer Fahrer: Der Franzose Romain Bardet feierte nach Saint-Jean-de-Maurienne 2015 und Saint-Gervais 2016 seinen dritten Etappensieg innerhalb von drei Jahren.


Das Profil der 12. Etappe der Tour de France

Kittel folgt Matthews in die Fluchtgruppe
Nach zwei Massensprints stand endlich wieder eine Bergetappe auf dem Programm der Frankreich-Rundfahrt – und trotzdem standen während des 12. Teilstücks erst einmal wieder Michael Matthews (Orica-Scott) und Marcel Kittel (Quick-Step Floors) im Fokus. Der Zweitplatzierte der Punktewertung hatte sich der Ausreißergruppe des Tages angeschlossen und der Träger des Grünen Trikots war trotz 133 Punkten Vorsprung mitgegangen. Nach 94 von 214,5 Kilometern gewann Matthews vor Kittel den Zwischensprint, was vor allem die Position des Australiers gegenüber den nächstbesten Fahrern der Punktewertung festigte. Dass die beiden Sprinter sich so in Szene setzen konnten, lag vor allem daran, dass auf der ersten Streckenhälfte lediglich eine der insgesamt sechs Bergwertungen und noch dazu nur eine 4. Kategorie überquert wurde. Denn lange war man vom Startort Pau aus parallel am Fuß der Pyrenäen entlang gefahren, bevor man dann doch richtig in die Gebirgskette einbog und Col des Ares (2. Kategorie), Col de Menté (1.), Port de Balès (HC) und Col de Peyresourde (1.) überquerte, ehe man zum Schlussanstieg nach Peyragudes (2.) kam.

Auch Politt und Küng unter den Ausreißern
Es waren insgesamt zwölf Ausreißer, die sich nach knapp 20 Kilometern vom Peloton abgesetzt hatten und ihren Vorsprung bei regnerischem Wetter nach und nach auf mehr als sechs Minuten ausbauten. Nach etwa 130 Kilometern war Kittel am Fuß des Col de Menté (6,9 km à 8,1%) der Erste, der aus der Spitzengruppe zurückfiel, die nach diesem ersten schweren Anstieg 75 Kilometer vor dem Ziel, als man den Regen hinter sich ließ und es fortan trocken blieb, noch fünf Minuten Vorsprung auf ein Hauptfeld aufwies, in welchem ausschließlich das Team Sky arbeitete, auch wenn kein einziger der Ausreißer auch nur ansatzweise eine Gefahr für das Gelbe Trikot darstellte. Am Port de Balès (11,7 km à 7,7%) trennte sich vorne nach und nach die Spreu vom Weizen. Zuerst fiel Matthews zurück, dann wurden Imanol Erviti (Movistar), Koen De Kort (Trek-Segafredo), Diego Ulissi (UAE Team Emirates) und Nils Politt (Katusha Alpecin) abgehängt; Kittels Teamkollege Jack Bauer und Julien Simon (Cofidis) waren die Nächsten. Als schließlich unter den verblieben vier Fahrern attackiert wurde, konnte auch der Schweizer Stefan Küng (BMC Racing) nicht mehr mithalten.


Port de Balès, Col de Peyresourde, Peyragudes

Cummings hängt De Gendt und Gautier ab
Es waren Cyril Gautier (AG2R La Mondiale), Stephen Cummings (Dimension Data) und Thomas De Gendt (Lotto Soudal), die sich als die besten Bergfahrer unter den Ausreißern erwiesen. De Gendt schien den Dreikampf nach einem starken Angriff schon für sich entschieden zu haben, da kam Cummings noch einmal zurück und überholte den Belgier. Der britische Meister erreichte den Gipfel des Port de Balès dann sogar schon mit deutlich über einer Minute Vorsprung auf De Gendt und Gautier. Nicht besonders viel hatte sich derweil im Feld bei diesem Anstieg zur 30,5 Kilometer vor dem Ziel gelegenen HC-Bergwertung getan. Romain Feillu und Maxime Bouet (Fortuneo-Oscaro) hatten früh attackiert und sich eineinhalb Minuten abgesetzt, wurden trotzdem weit vor dem Gipfel wieder eingeholt. Einem späten Angriff von Warren Barguil (Sunweb) schloss sich Alberto Contador (Trek-Segafredo) an, doch die Aktion des Spaniers verpuffte schnell. Barguil gelang es dann aber noch, sich abzusetzen und der Träger des Bergtrikots belegte rund eineinhalb Minuten hinter Cummings und wenige Sekunden vor dem Feld Platz vier auf dem Port de Balès.

Quintana und Contador erneut schwach
In der Abfahrt konnte Cummings seinen Vorsprung noch einmal auf gut zwei Minuten ausbauen, doch reichte das nicht für den Col de Peyresourde (9,7 km à 7,8%). Nach gut der Hälfte dieses vorletzten Anstiegs wurde der entkräftete letzte Ausreißer von der Favoritengruppe überholt, die in jenem Moment noch zwölf Fahrer umfasste – darunter mit dem Gesamtführenden Chris Froome und seinen Helfern Michal Kwiatkowski, Mikel Nieve und Mikel Landa gleich vier aus dem Sky-Rennstall! Zwei Fahrer aus den Top12 der Gesamtwertung hatten sie bereits abgehängt: Der bisherige Fünftplatzierte Jakob Fuglsang (Astana), der sich bei einem Sturz am Vortag Brüche im linken Kahnbein und Ellenbogen zugezogen hatte, war schon am Port de Balès zurückgefallen, der Achtplatzierte Nairo Quintana (Movistar) hatte am Peyresourde früh den Anschluss verloren. Bis zu der nur fünf Kilometer vom Ziel entfernten Bergwertung fielen zudem noch Kwiatkowski, der viel gearbeitet hatte, und der Gesamtzwölfte Alberto Contador (Trek-Segafredo) zurück. Angriffe gegen Froome hatte es wegen des hohen Tempos der Sky-Helfer nicht gegeben – sie blieben auch in der kurzen Abfahrt und zu Beginn des Schlussanstieges (2,4 km à 8,4%) aus.


Tines Tour Talk zur 12. Etappe: die deutschen Starter

Froome bricht im Endspurt am Berg komplett ein
Nachdem Nieve knapp zwei Kilometer vor dem Ziel ausscherte, waren nur noch ein Helfer und sieben Gegner bei Froome. Für Landa war es eine leichte Übung, George Bennett (LottoNL-Jumbo) zurückzuholen, nachdem der Neuseeländer 800 Meter vor Schluss für den ersten Angriff gesorgt hatte. Als 350 Meter vor dem Ende Fabio Aru (Astana) antrat, wollte Froome selbst reagieren, geriet bei Steigungswerten deutlich im zweistelligen Bereich aber in ernste Probleme. Während Froome langsam, aber sicher den Kontakt verlor, hängte sich Daniel Martin (Quick-Step Floors), gefolgt von Romain Bardet (AG2R La Mondiale) und Rigoberto Uran (Cannondale Drapac), an Arus Hinterrad. Es war letztlich Bardet, der diesen harten Bergsprint für sich entschied – Uran und Aru folgten mit jeweils zwei, Landa mit fünf, Louis Meintjes (UAE Team Emirates) mit sieben und Martin mit 13 Sekunden Rückstand. Erst nach 22 Sekunden finishte knapp vor Bennett und Simon Yates (Orica-Scott) auf dem siebten Platz der geschlagene Froome, der eine Etappe, die von seiner Mannschaft komplett unter Kontrolle gehalten worden war, völlig überraschend doch noch zu einem herben Rückschlag im Kampf um den vierten Tour-Gesamtsieg hatte werden lassen.

Top4 der Gesamtwertung weiter innerhalb einer Minute
20 Sekunden Verlust gegenüber Aru waren zuviel für Froome und da der Italiener als Etappendritter auch noch eine Zeitgutschrift erhielt, liegt er jetzt sechs Sekunden vor dem Briten. Nach dem Rosa Trikot beim Giro 2015, das nur für einen Tag in seinem Besitz geblieben war, und dem Roten Trikot bei der Vuelta desselben Jahres, die er hatte gewinnen können, eroberte Aru nun also auch bei der dritten und wichtigsten Grand Tour erstmals das Leadertrikot. Dieses bleibt aber auch für die erneut starken Bardet und Uran in Reichweite, die nur 25 bzw. 35 Sekunden hinter Aru liegen. Quintana bleibt Achter und Contador verbesserte sich gar um eine Position auf Rang elf, doch ihre Rückstände wuchsen auf 4:01 Minuten bzw. 7:14 Minuten. Beide erreichten das Ziel heute mit über zwei Minuten Rückstand. In der Nachwuchswertung bleibt Yates an der Spitze, musste aber einen leichten Rückgang seines Vorsprungs gegenüber Meintjes um 20 Sekunden auf 2:38 Minuten hinnehmen. Im Bergklassement ist Ausreißer de Gendt auf den zweiten Platz vorgestoßen, liegt mit seinen 32 Punkten aber noch 38 hinter Barguil.

-> Zum Resultat

Die morgige 13. Etappe, das zweite Teilstück in den Pyrenäen, hat einen ganz anderen Charakter. Am französischen Nationalfeiertag sind lediglich 101 Kilometer zu absolvieren, auf denen es dank Col de Latrape (5,6 km à 7,3%), Col d'Agnes (10,0 km à 8,2%) und Mur de Péguère (9,3 km à 7,9%) – drei Anstiegen der 1. Kategorie – kaum einen Moment der Ruhe geben wird.

Video der Zielankunft






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