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Überraschende Zeitverluste für Froome, Porte und Quintana bei Gavirias perfektem Tour-Debüt
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07.07.2018

Überraschende Zeitverluste für Froome, Porte und Quintana bei Gavirias perfektem Tour-Debüt

Info: TOUR DE FRANCE 2018 (2.UWT)
Autor: Felix Griep (Werfel)



Fontenay-le-Comte, 07.07.2018 – Sie endete in einem Massensprint mit einem Sieg des Topfavoriten und brachte im Finale doch so viel Unerwartetes mit sich: Die 1. Etappe der 105. Tour de France bot weit mehr als nur den Sieg von Fernando Gaviria, dem es als erstem Fahrer seit Peter Sagan 2012 gelang, gleich seine erste Tour-Etappe zu gewinnen. Mehrere Stürze und Defekte sorgten für wahrlich chaotische letzte zehn Kilometer, und kosteten Mitfavoriten auf den Gesamtsieg wie Chris Froome, Nairo Quintana und Richie Porte schon am ersten Tag der Rundfahrt wertvolle Zeit.


Das Profil der 1. Etappe der Tour de France

Rund eine Minute Verlust für mehrere Favoriten
Ein Blick auf das Profil ließ die erste eher wie die „nullachtfünfzehnte“ Etappe aussehen und versprach für den Auftakt der Tour de France nicht viel mehr als am Ende ihrer 201 Kilometer einen ersten Hinweis darauf, wer der Beste der vielen Topsprinter sein könnte. Und tatsächlich folgte das Teilstück lange der Standardformel mit einer kleinen Ausreißergruppe, deren Chancen auf ein Durchkommen praktisch nicht vorhanden waren. Doch just als die letzten Ausreißer zehn Kilometer vor dem Ziel gestellt wurde, brach Chaos über das Rennen herein. Als ein Massensturz das Feld teilte, wurden nicht nur zwei Anwärter auf das Weiße Trikot, Pierre Latour (Sky) und Egan Bernal (AG2R La Mondiale), sondern mit Richie Porte (BMC Racing) und Adam Yates (Mitchelton-Scott) auch zwei Anwärter auf das Gelbe zurückgeworfen. Fünf Kilometer vor Schluss stürzte zudem der Grand-Tour-Seriensieger Chris Froome (Sky), der daraufhin in die Gruppe mit Porte und Yates zurückfiel, welche letztlich 51 Sekunden auf das Hauptfeld verlor. Bernal büßte 1:15 Minute ein, Latour 2:11 Minuten – und Nairo Quintana (Movistar) ebenfalls 1:15 Minute. Der Kolumbianer erlitt wenige hundert Meter vor der rettenden Drei-Kilometer-Marke, die ihm Zeitgleichheit mit dem Hauptfeld garantiert hätte, einen Defekt, der ihn zu einem Radwechsel zwang.


Etappenvorschau zum Nachlesen:
Viele Topsprinter auf der Jagd nach dem Gelben Trikot


Tour-Neuling Ledanois schnappt sich das Bergtrikot
Begonnen hatte die 1. Etappe in feierlicher und friedlicher Atmosphäre auf der Île de Noirmoutier vor der Küste der Vendée. Direkt bei Kilometer Null attackierte Jérôme Cousin (Direct Energie), der nach einer Flucht, die ebenfalls unmittelbar nach dem Start begonnen hatte, im März Etappensieger bei Paris-Nizza geworden war. Dem Franzosen folgten mit Yoann Offredo (Wanty-Groupe Gobert), der bei der Tour 2017 auf der 2. Etappe von Düsseldorf nach Lüttich erst 1100 Meter vor dem Ziel eingeholt worden war, und dem Tour-Debütanten Kévin Ledanois (Fortuneo-Samsic) zwei seiner Landsleute. Die drei Vertreter von Wildcard-Mannschaften – Cofidis beteiligte sich als einziges eingeladenes Team nicht an der Flucht, weil es seine Kräfte für den Massensprint bündeln wollte – brachten es auf gut vier Minuten Vorsprung, ehe Quick-Step Floors, LottoNL-Jumbo, Groupama-FDJ und Dimension Data eine lang anhaltende Kooperation eingingen, die diesen Abstand stetig sinken ließ. Der Hauptpreis für die Ausreißer wartete 28 Kilometer vor dem Ziel auf der Côte de Vix (0,7 km à 4,2%), wo sich Ledanois im Kampf um das begehrte Bergtrikot knapp gegen Cousin behaupten konnte. Wenig später ließ Ledanois sich zurückfallen, während Offredo und Cousin das Unvermeidbare noch bis zur Zehn-Kilometer-Marke hinauszögerten.

Platz drei kann für Kittel ein Mutmacher sein
Die Sprinter hatten in der hektischen Schlussphase fast alle den Kontakt zum ersten Feld gehalten und gehörten zu den nur 63 Fahrern, die zeitgleich das Ziel erreichten. Von den ganz großen Namen fehlte einzig Arnaud Démare (Groupama-FDJ), der in jenen Sturz involviert war, der auch Porte und Co. zum Verhängnis wurde. Dagegen meisterte Quick-Step Floors das Finale perfekt und konnte auf dem letzten Kilometer mit vier(!) Helfern den Sprint für Fernando Gaviria anfahren. Diese Chance ließ sich der vierfache Etappensieger des Giro d’Italia 2017 nicht entgehen und wehrte auf den letzten Metern den Angriff des an seinem Hinterrad hängenden Peter Sagan (Bora-Hansgrohe) ab. Marcel Kittel (Katusha Alpecin) sprintete aus einer viel schlechteren Position noch auf Platz drei und deutete damit zumindest an, dass trotz seiner bislang eher enttäuschenden Saison bei der Frankreich-Rundfahrt mit ihm zu rechnen sein wird. Ab Platz vier folgten Europameister Alexander Kristoff (UAE Emirates), der beste Franzose Christophe Laporte (Cofidis), der diesmal noch chancenlose Dylan Groenewegen (LottoNL-Jumbo), der letztjährige Gewinner des Grünen Trikots Michael Matthews (Sunweb) und auf Platz acht mit John Degenkolb (Trek-Segafredo) ein weiterer Deutscher. Nur die Plätze 26 und 36 sprangen für André Greipel (Lotto Soudal) und Mark Cavendish (Dimension Data) heraus.


Cofis Cycling Cosmos – Tour Spezial: die Vendée

Gaviria legt im Kampf um das Grüne Trikot gut vor
Wie beim Giro des Vorjahres, als er nach seinem ersten Erfolg auf der 3. Etappe an die Spitze der Gesamtwertung gesprintet war, durfte Gaviria nun auch bei der Tour das Leadertrikot überstreifen – tatsächlich ist der 23-Jährige 15 Jahre nach Victor Hugo Peña sogar erst der zweite Kolumbianer überhaupt in Gelb. In der Gesamtwertung führt er vier Sekunden vor Sagan, sechs vor Kittel und neun vor Oliver Naesen (AG2R La Mondiale). Der Belgier hatte seine Gutschrift von einer Sekunde 13,5 Kilometer vor Schluss am neuen Bonussprint geholt, wo er sich mit einer kurzen Attacke aus dem Feld hinter den Ausreißern Cousin und Offredo Platz drei geschnappt hatte. Den normalen Zwischensprint, dessen Ergebnis in die Punktewertung einfließt, hatte es bereits gut 80 Kilometer vor dem Ende gegeben. Gaviria war auch dort schon Schnellster des Feldes, wobei er nur von Greipel und Démare überhaupt halbwegs ernste Gegewehr erfahren hatte. Im Kampf um das Grüne Trikot weist Gaviria einen Vorsprung von 26 Punkten gegenüber Sagan und jeweils 39 gegenüber Kittel und Kristoff auf. Auf der nächsten Etappe wird sich Sagan als Stellvertreter in Grün kleiden dürfen, das Weiße Trikot verleiht der auch in der Nachwuchswertung führende Gaviria derweil an Groenewegen.

-> Zum Resultat

Die morgige 2. Etappe sieht genauso harmlos aus wie das erste Teilstück. Die abgesehen von einem leicht hügeligen Start praktisch topfebene Strecke lässt einen weiteren Massensprint erwarten.

Video der Zielankunft






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