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Erlösung auf den Champs-Élysées: Kristoff nach vier Jahren wieder bei der Tour de France erfolgreich
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30.07.2018

Erlösung auf den Champs-Élysées: Kristoff nach vier Jahren wieder bei der Tour de France erfolgreich

Info: TOUR DE FRANCE 2018 (2.UWT)
Autor: Felix Griep (Werfel)



Paris, 29.07.2018 – Mit zwei Etappensiegen hatte sich Alexander Kristoff 2014 in den Kreis der besten Sprinter der Tour de France katapultiert. Bei seinen folgenden vier Teilnahmen inklusive des aktuellen Jahres, zeigte er mit insgesamt zwanzig Top5-Platzierungen zwar eine beachtliche Konstanz, doch ein weiterer Sieg wollte ihm einfach nicht gelingen. Das hat sich ausgerechnet auf den Champs-Élysées geändert, wo der Europameister aus Norwegen im Sprint den Deutschen John Degenkolb auf Platz zwei verweisen konnte. Fast hätte Yves Lampaert für eine riesengroße Überraschung gesorgt, aber es klappte ganz knapp nicht mit dem ersten Ausreißersieg am Schlusstag der Tour seit 13 Jahren.


Das Profil der 20. Etappe der Tour de France

Thomas‘ größter Erfolg endlich perfekt
Am letzten der 21 Renntage der Tour de France ließen es die Fahrer traditionell ruhig angehen und rollten von Évry, dem Startort des letzten Teilstücks, gemütlich in Richtung Paris. Für viele Fahrer war das letzte Teilstück tatsächlich nur noch die berühmte „tour d’honneur“. Geraint Thomas (Sky) durfte sich im Gelben Trikot feiern lassen und machte mit dem größten Erfolg seiner Karriere das Seuchenjahr 2017 vergessen, als er erst beim Giro d’Italia und dann auch bei der Tour mit großen Ambitionen gestartet war, beide Rundfahrten aber nach Stürzen frühzeitig beenden musste. Sein Teamkollege Chris Froome schaffte es zwar nicht, nach Tour 2017, Vuelta 2017 und Giro 2018 eine vierte Grand Tour in Folge zu gewinnen und in den Kreis der fünffachen Tour-Champions aufzusteigen, schrieb aber dennoch wie auch der Giro- und Tour-Zweite Tom Dumoulin (Sunweb) ein Stück Geschichte. Seit Marco Pantani, der 1998 beide Rundfahrten sogar gewonnen hatte, sind sie die ersten Fahrer, die in einem Jahr sowohl bei der Italien- als auch der Frankreich-Rundfahrt auf dem Podium standen.

Schöner Abschied für Sylvain Chavanel
Auch Pierre Latour (AG2R La Mondiale), der als erster Franzose seit Thibaut Pinot 2014 das Weiße Trikot souverän gewann, selbst wenn er stets den Helferaufgaben für seinen Kapitän Romain Bardet oberste Priorität beigemessen hatte, konnte den letzten Tag ruhig angehen. Selbiges galt an und für sich auch für den zweimaligen Etappensieger und Gewinner des Bergtrikots Julian Alaphilippe (Quick-Step Floors), der aber heimlich doch noch etwas ausheckte. Peter Sagan (Bora-Hansgrohe), der sein sechstes Grünes Trikot in Serie und damit die Einstellung von Erik Zabels Rekord aus den Jahren 1996 bis 2001 schon sicher hatte, war der Sondertrikotträger, für den der Schlusstag der Tour mit Abstand die größte Bedeutung hatte, da für ihn noch ein Etappensieg im Berich des Möglichen lag. Ein Rekordteilnehmer-Trikot gab es zwar nicht, aber Sylvain Chavanel (Direct Energie), der nach seiner 18. Tour de France am Jahresende seine aktive Laufbahn abschließt, zog trotzdem noch einmal viel Aufmerksamkeit auf sich. Der 39-Jährige attackierte, als das Rennen gerade nach Paris hineinfuhr und bekam vom Feld eine Weile freie Fahrt, so dass er die erste Zielpassage auf den Champs-Élysées als Solist erleben durfte.


Etappenvorschau zum Nachlesen:
Die Champs-Élysées – Höhepunkt für die Sprinter


Ausreißergruppe mit Politt, Dillier und Schär
116 Kilometer wurden auf der 21. Etappe insgesamt zurückgelegt – 61,5 waren es bis zur ersten Zieldurchfahrt und anschließend noch 54,5 auf dem Rundkurs um Arc de Triomphe und Jardin des Tuileries, mit dem die Fahrer bestens vertraut sind. In der ersten von acht Runden, nachdem Chavanels Abschiedsparade beendet war, gab es sofort Angriffe, durch die eine sechsköpfige Gruppe entstand. Der Deutsche Nils Politt (Katusha Alpecin), die Schweizer Silvan Dillier (Ag2r La Mondiale) und Michael Schär (BMC Racing), der US-Amerikaner Taylor Phinney (Education First-Drapac), der Franzose Damien Gaudin (Direct Energie) und der Belgier Guillaume Van Keirsbulck (Wanty-Groupe Gobert) konnten ihren Vorsprung bis zum Ende der vierten von acht Runden auf starke 45 Sekunden ausbauen und waren letztlich doch machtlos gegen die Verfolgungsarbeit von Bora-Hansgrohe und Groupama-FDJ. Schon in der siebten Runde schien der Zusammenschluss zwischen Ausreißer und Feld unvermeidlich, was Alaphilippe und Kévin Ledanois (Fortuneo-Samsic) zu einem Gegenangriff verleitete – doch sie konnten trotzdem nicht zu den Führenden aufschließen, die bei der letzten Zieldurchfahrt vom Peloton eingesammelt wurden. Nur Politt konnte sich mit einer Soloattacke noch etwas länger an der Spitze des Rennens behaupten, bis 5,8 Kilometer vor Schluss dann auch für ihn die Flucht endgültig vorbei war.

Lampaert wird nicht Nachfolger Vinokourovs
Neben Bora-Hansgrohe und Groupama-FDJ mischten auf der Schlussrunde auch Trek-Segafredo und Bahrain Merida mit und versuchten ihre Sprintzüge vorne zu positionieren. Dennoch gab es noch Chancen für Angriffe. Der erste kam von Marco Marcato (UAE Emirates), der allerdings kein allzu großes Loch reißen konnte, weil Daniel Oss (Bora-Hansgrohe) energisch reagierte und 500 Meter später an ihm vorbeizog. Mit etwas zu viel Elan hatte der Italiener, der eigentlich für Sagan arbeitete, sich selbst und Yves Lampaert (Quick-Step Floors) vom Hauptfeld losgerissen. Während Groupama-FDJ die Verfolgung des Duos organisierte, hängte Lampaert seinen Begleiter kurz vor der Flamme Rouge ab und kam mit einem kleinen Vorsprung durch die letzten Kurven und auf die Zielgerade. Der erste Sieg eines Ausreißers auf den Champs-Élysées seit Alexandre Vinokourovs denkwürdigem Erfolg von 2005 schien dank des belgischen Meisters tatsächlich möglich, aber am Ende reichten Kraft und Speed doch nicht für den großen Coup. 220 Meter vor dem Ziel schoss der erste Sprinter pfeilschnell an ihm vorbei – am Ende wurde Lampaert gar noch bis auf Position 30 durchgereicht.


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Degenkolb kann die „Pole Position“ nicht halten
Der Erste, der an Lampaert vorbeizog war John Degenkolb (Trek-Segafredo), der von Jasper Stuyven in idealer Position auf die Zielgerade gebracht worden war, aber vielleicht einen Tick zu früh selbst in den Wind musste. Der Traum, die deutsche Tradition auf den Champs-Élysées nach den Siegen von Marcel Kittel (2013, 2014) und André Greipel (2015, 2016) fortzusetzen, erfüllte sich für den Gewinner der Roubaix-Etappe nicht. Alexander Kristoff (Katusha Alpecin), dessen Europameistertitel in zwei Wochen in Glasgow neu vergeben wird, zog auf den letzten 200 Metern aus Degenkolbs Windschatten heraus an ihm vorbei und holte sich mit einer Radlänge Vorsprung nach bisher je einem zweiten, dritten und fünften sowie zwei vierten Plätzen bei dieser Tour den lange ersehnten Etappensieg. Überdies sicherte sich der Norweger damit in der Punktewertung den zweiten Rang hinter dem weit enteilten Sagan, der in diesem Finale nicht über Platz acht hinauskam. Die französischen Sprinter Arnaud Démare (Groupama-FDJ) und Christophe Laporte (Cofidis) kamen auf die Plätze drei und fünf, Vierter wurde zwischen ihnen Kristoffs Landsmann Edvald Boasson Hagen (Dimension Data).

-> Zum Resultat und allen Endständen

In der WorldTour gibt es nach der Tour de France nicht einmal eine volle Woche Pause, denn schon am Samstag, dem 4. August stehen die Clasica San Sebastian und der Auftakt der Tour de Pologne auf dem Programm.

Video der Zielankunft






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