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Rückblick Tour de France 2008: Chavanels 423 Kilometer zum Prix de la combattivité
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28.07.2008

Rückblick Tour de France 2008: Chavanels 423 Kilometer zum Prix de la combattivité

Info: TOUR DE FRANCE



Sylvain Chavanel wurde von einer Jury zum kämpferischsten Fahrer der Tour de France 2008 gewählt und erhielt dafür den "Prix de la combattivité", der mit einem Preisgeld von 20.000 € dotiert ist. Der Franzose aus der Mannschaft Cofidis hat sich diese Auszeichnung wahrlich verdient, war im gesamten Tourverlauf immer wieder aktiv, an acht Tagen über insgesamt 423 Kilometer an Ausreißversuchen beteiligt und wurde gleich drei Mal zum kämpferischsten Fahrer einer Etappe gewählt. Mit einem Etappensieg wurde sein Einsatz dann sogar noch mehr entlohnt.


In der Zeit nach der Tour de France blickt LiVE-Radsport noch einmal auf die einzelnen Wertungen und ihre Sieger zurück. Dabei wird jedes Mal ein anderer der Tourgewinner in Augenschein genommen und sein Weg bei der Großen Schleife resümiert.
Chavanel | Freire | Kohl | Schleck | CSC | Sastre


Die Tour des kämpferischsten Fahrers Sylvain Chavanel

Schon auf der 2. Etappe wurde Chavanel erstmals zum kämpferischsten Fahrer gekürt. Gemeinsam mit Thomas Voeckler ging er seinen ersten Fluchtversuch an und gewann dabei alle drei Zwischensprints sowie zwei der vier Bergwertungen. Im Bergklassement blieb er am Ende des Tages acht Punkte hinter seinem Begleiter zurück, der schon tags zuvor in einer Spitzengruppe war. Gegen das verfolgende Feld hatten beide aber keine Chance, beim Sprintsieg von Thor Hushovd wurde Chavanel 88.

Seinen nächsten großen Auftritt hatte Sylvain Chavanel auf der 6. Etappe, dem ersten bergigen Teilstück. In einer Dreiergruppe mit Freddy Bichot und Benoît Vaugrenard hatte er es auf das Bergtrikot abgesehen. Nachdem er einen Zwischensprint und die ersten drei Bergwertungen des Tages gewann, war ihm sein Vorhaben gelungen. Punktgleich lag er dank seines Sieges auf einem Anstieg der 2. Kategorie vor Voeckler. Dass er im Schlussanstieg nach Super-Besse eingeholt wurde und am Ende mit fast fünf Minuten Rückstand 72. wurde konnte er verkraften. Dass er das Bergtrikot schon am nächsten Tag um einen Punkt wieder an David de la Fuente verlor wohl weniger.

Auf Etappe 10, die mit der Bergankunft in Hautacam enden sollte, war Chavanel wieder in einer Spitzengruppe zu finden, die allerdings neben ihm noch 24 weitere Fahrer umfasste. Da das Feld so viele Fahrer nicht weit ziehen ließ, gab es in der Gruppe weiter Attacken, denen er am Ende nicht mehr folgen konnte. Einen etwas kürzeren Versuch auf einen Etappensieg gab es am Ende der 13. Etappe, als Chavanel, nachdem die eigentlichen Ausreißer des Tages gestellt waren, auf den letzten zehn Kilometern eine Attacke fuhr. Doch die Sprinterteams waren zu stark und er musste sich drei Kilometer vor dem Ziel dem Feld geschlagen geben, aus dem Mark Cavendish den Sieg holte. Auch auf Etappe 14 versuchte es Chavanel auf ähnliche Weise, in der Abfahrt vom letzten kleinen Anstieg attackierte er aus dem Feld, wurde von den Sprintern um Tagessieger Oscar Freire aber wieder gestellt. Auf der 16. Etappe über zwei HC-Pässe nach Jausiers gehörte Chavanel dann erneut zu einer relativ großen Gruppe, die auf der Verfolgung einer kleineren mit Stefan Schumacher war. Mehr konnte sich Chavanel an diesem Tag nicht in Szene setzen, kam am Ende aber immerhin auf Platz 27 gut vier Minuten hinter Sieger Cyril Dessel ins Ziel.

Auf der 19. Etappe wurden Chavanels Anstrengungen dann endlich belohnt. Nachdem zuvor viele Ausreißversuche im Sande verliefen, griff er etwa zur Halbzeit des Tages mit Jérémy Roy an und konnte im Ziel in Montluçon bei gut einer Minute Vorsprung auf das Feld seinen Begleiter im Sprint schlagen. Spätestens nach diesem Tag war klar, dass niemand außer ihm für den Titel kämpferischster Fahrer in Frage kam. Bereits mit dem Wissen, dass er ihn errungen hatte, war Chavanel dann auch der letzte Fahrer, der eine Attacke bei dieser Tour fuhr. Auf der finale Runde der 21. Etappe auf den Champs-Elysées probierte er noch einmal sein Glück, hatte aber gegen das sprintgeile Feld um Tagessieger Gert Steegmans keine Chance.

Liste der kämpferischsten Fahrer aller Etappen
1. Lilian Jégou (Fra) Française des Jeux
2. Sylvain Chavanel (Fra) Cofidis - Le Crédit par Téléphone
3. William Frischkorn (USA) Team Garmin-Chipotle p/b H30
4. Zeitfahren, nicht vergeben
5. Nicolas Vogondy (Fra) Agritubel
6. Sylvain Chavanel (Fra) Cofidis - Le Crédit par Téléphone
7. Luis Leon Sanchez Gil (Esp) Caisse d'Epargne
8. Laurent Lefèvre (Fra) Bouygues Telecom
9. Sebastian Lang (GER) Gerolsteiner
10. Rémy Di Grégorio (Fra) Française des Jeux
11. Amaël Moinard (Fra) Cofidis - Le Crédit par Téléphon
12. Arnaud Gérard (Fra) Française des Jeux
13. Niki Terpstra (Ned) Team Milram
14. José Iván Gutierrez (Esp) Caisse d'Epargne
15. Egoi Martinez De Esteban (Esp) Euskaltel - Euskadi
16. Stefan Schumacher (GER) Gerolsteiner
17. Peter Velits (Svk) Team Milram
18. Marcus Burghardt (GER) Team Columbia
19. Sylvain Chavanel (Fra) Cofidis - Le Crédit par Téléphone
20. Zeitfahren, nicht vergeben
21. Nicolas Vogondy (Fra) Agritubel


Zur Person Sylvain Chavanel

Der kurz vor Tourstart am 30. Juni 29 Jahre alt gewordene Franzose hatte auch vor der Frankreichrundfahrt schon eine tolle Saison gefahren, in der ihm sechs Siege gelangen. Neben den Eintagesrennen Dwars door Vlaanderen und Flèche Brabançonne feierte er Etappenerfolge bei der Tour Méditerranéen, Paris-Nice und der Volta a Catalunya. Zudem ist er amtierender Zeitfahrmeister seines Landes. Auch in Rundfahrt-Gesamtwertungen hat er schon vorzeigbare Resultate eingefahren, war Zweiter der Volta ao Algarve und Neunter von Paris-Nice. Seine beste Tourplatzierung war Rang 30 im Jahr 2004. Bei der Vuelta a España des letzten Jahres wurde er sogar 16. Seine hervorragenden Leistungen haben Chavanel für die kommende Saison bereits einen Vertrag bei Quick Step beschert, für den er nach vier Jahren Cofidis verlassen wird.


Statistisches & Historisches zum Prix de la combattivité

* Die Kämpferwertung gab es erstmals 1959 (Sieger: Gérard Saint), aber erst seit 1980 durchgängig. Früher vergab eine Jury auf jeder Etappe Punkte an die kämpferischsten Fahrer, deren Summierung über den Gesamtsieger entschied. Seit 2003 werden nur noch Tages- und Gesamtsieger gewählt.

* In der achtköpfigen Jury, die aus Journalisten, Organisatoren und ehemaligen Profis besteht, saßen in diesem Jahr Jean-François Pescheux, Bernard Hinault, Laurent Jalabert, Thierry Adam, Christian Ollivier, Jean Montois, Philippe Bouvet und Jacky Durand.

* Chavanel ist nach zuletzt drei Spaniern (2007 Amets Txurruka, 2006 David De La Fuente, 2005 Oscar Pereiro) der erste französische Sieger seit Richard Virenque 2004. Damit war es der 20. Sieg eines Franzosen bei der 42. Vergabe dieses Preises.

* Als 61. der Gesamtwertung ist Chavanel der am sechstschlechtesten Platzierte aller bisherigen Gewinner. An Jacky Durand kam er nicht heran, der konnte 1999 als 141. und Letzter des Gesamklassements seinen Kämpfertitel aus dem Vorjahr verteidigen. 1972 wurde Cyrille Guimard gewählt, obwohl er die Tour nicht beendete.

* 1998 War es auch Durand, der zuletzt den Titel für eine französische Mannschaft, Casino, holte, ehe dies nun Chavanel für Cofidis gelang. Kein Team konnte bislang mehr als zwei Mal den kämpferischsten Fahrer stellen.

* Je dreimal kämpferischster Fahrer waren Bernard Hinault, Eddy Merckx und Richard Virenque, die damit Rekordhalter sind. Ein Deutscher und ein Schweizer waren je einmal erfolgreich, Rudi Altig 1966 und Serge Demierre 1983.

* Mit drei Tagesauszeichnungen als kämpferischster Fahrer ist Chavanel aber Spitze, seit Abschaffung der Punktevergabe 2003 hat dies kein anderer Fahrer geschafft. Je zwei Tagessiege gelangen 2007 Stéphane Augé, 2005 Oscar Pereiro (sogar an zwei aufeinanderfolgenden Tagen), 2004 Jens Voigt und Michael Rasmussen, sowie 2003 Frédéric Finot.

* Geübt für seinen großen Coup in diesem Jahr hatte Chavanel schon 2003 und 2007 wo er auch jeweils einen Tag der kämpferischste Fahrer war.

* Alexandre Vinokourov gelang es 2003 ohne eine Tagesauszeichnung dennoch Gesamtsieger zu werden. Als Dritter der Gesamtwertung war er aber der Bestplatzierte aller Kämpferkönige der vergangenen zehn Jahre.

* Sechs Mal gewann der kämpferischste Fahrer auch die Gesamtwertung der Tour, zehn Mal die Bergwertung und zwei Mal die Punktewertung. 1969 konnte ein Fahrer sogar alle vier Wertungen auf einen Schlag gewinnen - natürlich Eddy Merckx.





Sylvain Chavanel wurde zum kämpferischsten Fahrer der Tour de France 2008 gewählt (Foto: www.letour.fr)
Sylvain Chavanel wurde zum kämpferischsten Fahrer der Tour de France 2008 gewählt (Foto: www.letour.fr)

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