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Roglic gewinnt die Königsetappe der Alpen – Aru verliert Platz zwei und Kittel scheidet nach einem Sturz aus
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19.07.2017

Roglic gewinnt die Königsetappe der Alpen – Aru verliert Platz zwei und Kittel scheidet nach einem Sturz aus

Info: TOUR DE FRANCE 2017 (2.UWT)
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Serre-Chevalier, 19.07.2017 – Eine Königsetappe im Jura hatte es bei der 104. Tour de France bereits gegeben und nun folgte eine weitere Königsetappe in den Alpen, die ebenfalls ausgesprochen schwer und sehr ereignisreich war. Während Chris Froome die vorletzte Prüfung in den Bergen ohne die kleinste Schwäche meisterte, wurde Fabio Aru im Kreuzfeuer der Attacken am Galibier getroffen und verlor seinen zweiten Rang in der Gesamtwertung an Rigoberto Uran. Trotz des Kampfes der Favoriten konnte sich ein einzelner Ausreißer vor ihnen behaupten: Primoz Roglic sorgte für den ersten slowenischen Etappensieg in der Tour-Geschichte! Auch Michael Matthews und Alberto Contador drückten dem Rennen ihren Stempel auf, wohingegen Marcel Kittel es nach einem folgenschweren Sturz verlassen musste.


Das Profil der 17. Etappe der Tour de France

Matthews auch in den Alpen gewohnt offensiv
Nachdem die 104. Tour de France bereits in den Vogesen, im Jura, in den Pyrenäen und im Zentralmassiv war, macht sie in ihrer letzten Woche auch in den Alpen für zwei Tage Station. Vier Pässe mit zusammen mehr als 4000 Höhenmetern standen den Fahrern auf der 17. Etappe der Tour de France während 183 Kilometern im Weg. Es dauerte fast 20 Kilometer, bis sich eine Fluchtgruppe vom Feld absetzte, in welcher einmal mehr die Mannschaft Sunweb treibende Kraft war. Michael Matthews wurde auf der Jagd nach Punkten für den Kampf um das Grüne Trikot von Simon Geschke und Albert Timmer unterstützt. Dieses Trio und 30 weitere Ausreißer (vollständige Liste siehe LiVE-Ticker, Einträge von 12:52 und 12:55 Uhr) erreichten nach 30 Kilometern den ersten Gipfel auf dem Col d'Ornon (2. Kategorie) mit einem Vorsprung von fünf Minuten auf das Hauptfeld. Matthews – ganz der vorbildliche Teamplayer – sprintete an der Bergwertung gegen Thomas De Gendt (Lotto Soudal) und sorgte dafür, dass der Belgier seinem im Bergklassement führenden Teamkollegen Warren Barguil nur drei statt fünf Punkte näherkommen konnte.


Das Profil des Col de la Croix de Fer

Contador mit großer Aufholjagd am ersten Berg
Bei ihrem Zweikampf um die Bergpunkte hatten sich De Gendt und Matthews von der Ausreißergruppe abgesetzt und ließen sich anschließend nicht einfach einholen. Sie zogen weiter durch und hatten im Tal am Zwischensprint, den Matthews natürlich für sich entschied, bereits eine Minute Vorsprung herausgefahren. Schon fast doppelt so viel war es kurz darauf beim Beginn der Steigung auf den Col de la Croix de Fer. Gemeinsam mit Daniel Navarro (Cofidis), der acht Kilometer vor dem Gipfel zur Spitze gestoßen war, bevor wenig später Matthews zurückfiel, kam De Gendt, diesmal als Erster, zur Bergwertung der Kategorie HC. Ein wenig mehr als 100 Kilometer vor dem Ziel wiesen sie eine halbe Minute Vorsprung zu 22 Verfolgern auf, zu denen neu auch Alberto Contador (Trek-Segafredo) gehörte (vollständige Liste siehe LiVE-Ticker, Eintrag von 14:49 Uhr). Der Elfte der Gesamtwertung hatte am Croix de Fer früh attackiert und rund vier Minuten Rückstand fast komplett alleine aufgeholt; erst am Ende halfen ihm seine Teamkollegen Michael Gogl und Jarlinson Pantano, die aus der Fluchtgruppe auf ihn warteten.

Kittel steigt nach Sturz aus – Matthews in Grün
Nach der Hälfte der rund 30 Kilometer langen Abfahrt vom Croix de Fer wurden De Gendt und Navarro von ihren Verfolgern eingeholt. Trek-Segafredo übernahm nun die volle Verantwortung für die Tempoarbeit. Zwar war Gogl nicht mehr mit dabei, dafür stellte sich neben Pantano auch der drei Tage zuvor im Zentralmassiv siegreiche Bauke Mollema ganz in den Dienst seines Kapitäns. Sie hatten einen Vorsprung von gut drei Minuten auf das Hauptfeld zu verteidigen, der Contador eine Verbesserung im Gesamtklassement von Rang elf auf acht gebracht hätte. In der Abfahrt vom Croix de Fer gab es auch eine tragische Meldung: Marcel Kittel (Quick-Step Floor) war auf dem Gipfel dieses Berges vom Rad gestiegen und hatte die Tour de France beendet. Der fünffachte Etappensieger musste den Verletzungen Tribut zollen, die er sich bei einem Massensturz zu Beginn der Etappe zugezogen hatte. So war die Schlagzeile plötzlich nicht mehr, dass Matthews durch den Sieg am Zwischensprint auf neun Punkte an Kittel herangerückt war – sondern dass der Australier mit einem Vorsprung von 160 Punkten auf André Greipel (Lotto Soudal) das Grüne Trikot vom Deutschen „erbte“!


Das Profil von Col du Télégraphe und Col du Galibier

Roglic erzwingt am Galibier die Vorentscheidung
Das Herzstück der Alpen-Königsetappe bildete der Abschnitt zwischen Kilometer 62 und 28 vor dem Ziel mit den nur durch eine kurze Abfahrt voneinander getrennten Anstiegen zu Col du Télégraphe (11,9 km à 7,1%) und Col du Galibier (17,7 km à 6,9%). Bis zum Télégraphe passierte nicht sehr viel. Das Hauptfeld schrumpfte auf etwa 30 Mann, wobei ein Quartett des Teams Sky stets die Kontrolle innehatte. Die Spitzengruppe bestand an der Bergwertung der 1. Kategorie aus elf Fahrern: dies waren neben dem Trek-Duo Contador/Mollema noch Mathias Frank (AG2R La Mondiale), Amaël Moinard (BMC Racing),Darwin Atapuma (UAE Team Emirates), Serge Pauwels (Dimension Data), Tony Gallopin (Lotto Soudal), Daniel Navarro (Cofidis), Primoz Roglic (LottoNL-Jumbo), Ondrej Cink (Bahrain Merida) und Brice Feillu (Fortuneo-Oscaro). Am Galibier konnten einer Attacke von Roglic zunächst lediglich Contador und Pauwels folgen, doch auch Atapuma, Frank und Navarro kamen noch einmal heran. Wenig später attackierte Pauwels, woraufhin Roglic dafür sorgte, dass das Loch zum Belgier wieder geschlossen wurde, und anschließend erneut selbst angriff. Und diesmal konnte er alle seine Gegner abschütteln!

Aru leidet unter Attacken von Martin und Bardet
Auch die Favoritengruppe schrumpfte am Galibier zusehends. Chris Froome (Sky) hatte mit Mikel Nieve, Michal Kwiatkowski und Mikel Landa immer noch drei Helfer bei sich, als die Zahl der Gegner bereits auf zehn gesunken war! Etwa acht Kilometer vor dem Gipfel war Daniel Martin (Quick-Step Floors) der Erste, der sich einen Angriffe traute, und als er wieder eingeholt worden war, versuchte Barguil sein Glück. Der richtige Ernst begann aber erst knapp fünf Kilometer vor der Bergwertung, als Romain Bardet (AG2R La Mondiale) in die Offensive ging. Zwei seiner drei Kontrahten aus den Top4 der Gesamtwertung – Froome und Rigoberto Uran (Cannondale Drapac) – zeigten sich vom Angriff des Franzosen unbeeindruckt, wohingegen Fabio Aru (Astana) sofort in Schwierigkeiten geriet. Der Italiener bewegte sich auch bei weiteren folgenden Attacken von Martin und Bardet stets auf dem schmalen Grat des Herankommens und Abgehängtwerdens. Auf der Spitze des Galibiers, dem mit 2642 Metern höchsten Punkt der Rundfahrt, ereignete sich dann die endgültige und definitive Teilung der Favoriten – und Aru sollte zum großen Verlierer im Kampf um das Gelbe Trikot und die Podiumsplätze werden.


Tines Tour Talk zur 17. Etappe: Sonderwertungen

Zum ersten Mal gewinnt ein Slowene eine Tour-Etappe
Roglic erreichte die Bergwertung des Galibier noch circa eineinhalb Minuten vor den ersten Favoriten, die fast alle anderen Ausreißer wie Contador und Frank noch vor der Gipfelpassage eingefangen hatten. Der alleinige Verfolger Atapuma wurde gleich zu Beginn der 28 Kilometer langen Abfahrt ins Ziel ebenfalls eingeholt. Barguil konnte daher als Dritter auf dem Galibier seine einzigen zwölf Punkte des Tages einfahren und hat als weiterhin klar Führender des Bergklassements noch 49 Punkte Punkte Vorsprung auf Roglic. Der musste sich im Kampf um den Etappensieg gegen eine fünfköpfige Verfolgergruppe wehren, die sich bergab durch die aggressive Fahrweise Bardets von den nächsten Gruppen abgesetzt hatte. Mit dabei waren Barguil, Uran sowie Froome und Landa. Aru war erst Teil der nächsten Gruppe, in welcher er gemeinsam mit Martin und Louis Meintjes (UAE Team Emirates um den Anschluss kämpfte; außerdem waren Atapuma, Contador und Frank bei ihnen. Noch weiter dahinter folgten Pauwels und Simon Yates (Orica-Scott), der Träger des Weißen Trikots. Diese Gruppenkonstellation veränderte sich bis ins Ziel nicht mehr und auch Roglic wurde nicht eingeholt. Der 27-jährige Giro-Zeitfahrsieger von 2016 sorgte für den ersten slowenischen Etappensieg überhaupt in der Tour-Geschichte!

Aru und Yates verlieren Zeit, Quintana den Top10-Platz
Seine fünf Verfolger erreichten 1:13 Minuten nach Roglic das Ziel, die Aru-Gruppe folgte mit 1:44 Minute Rückstand. Dass Uran den Sprint um Platz zwei und somit eine wertvolle Zeitgutschrift vor Froome und Bardet gewann, bedeutete, dass der Kolumbianer in der Gesamtwertung nicht nur von Rang vier auf drei, sondern sogar auf zwei kletterte. Er weist nun genau wie Bardet 27 Sekunden Rückstand gegenüber Froome auf, hat aber aus dem Auftaktzeitfahren zwei Hundertstel Vorsprung. Der bisherige Zweitplatzierte Aru erlebte einen herben Rückschlag und liegt nun 53 Sekunden zurück. Yates erreichte das Ziel erst eineinhalb Minuten nach der Gruppe um Martin, an den er seinen sechsten Gesamtrang verlor, und Meintjes, auf den er in der Nachwuchswertung jetzt noch 2:28 Minuten Vorsprung aufweist. Contador und Barguil verbesserten sich um jeweils zwei Positionen auf die Plätze neun und zehn, stießen Damiano Caruso (BMC Racing) und Nairo Quintana (Movistar) aus den Top10 heraus. Caruso lag heute gut fünf, Quintana fast acht Minuten hinter dem Etappensieger. Quintana hatte am Croix de Fer noch gemeinsam mit Contador attackiert, diesem bei der Jagd auf die Ausreißer aber schon da nicht folgen können.

-> Zum Resultat

Die morgige 18. Etappe ist auf der ersten Streckenhälfte praktisch flach und hat nur zwei große Alpen-Anstiege zu bieten. Neben dem Col de Vars (9,3 km à 7,5%) 50 Kilometer vor dem Ziel handelt es sich bei dem zweiten Anstieg aber um den Col d'Izoard (14,1 km à 7,3%), auf dem es eine Bergankunft gibt!

Video-Zusammenfassung der Etappe






Roglic gewinnt die Königsetappe der Alpen – Aru verliert Platz zwei und Kittel scheidet nach einem Sturz aus
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