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Spielte Hamilton mit seinem Leben?
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27.08.2006

Spielte Hamilton mit seinem Leben?

Autor: Daniel Schönhoff

Das Dokument mit der Codenummer 4142, das von der Guardia Civil im Zusammenhang mit dem spanischen Dopingskandal beschlagnahmt wurde, und eindeutig Tyler Hamilton zuzuordnen ist, zeigt mit welch einer Unverfrorenheit und Fahrlässigkeit Hamilton sich dopte und dopen liess.

Matthias Kamber, Leiter des Fachbereichs Dopingbekämpfung am Bundesamt für Sport interpretiert im Folgenden den Dopingkalender des Jahres 2003 von Hamilton.

Januar: "Hier zeigt sich ein klassischer Saisonaufbau mit hohen EPO-Dosen. So ist es heute nicht mehr möglich, denn das Risiko ist hoch, im Rahmen einer Trainingskontrolle erwischt zu werden. Damals machte der Radsport- Weltverband noch keine solchen Kontrollen. Ende Januar wird mit Anabolika der Muskelaufbau unterstützt."

Februar: "Nach einer Blutentnahme wird mit Anabolika und EPO aufgerüstet. Da sich nach längerer Anabolika- Zufuhr das körpereigene System abschaltet, wird es mit Schwangerschaftshormonen angekurbelt."

März: "Rechtzeitig vor dem ersten Rennen (Paris-Nizza) werden Anabolika und EPO abgesetzt. Der späte Einsatz von russischem EPO ist risikoarm, da es wahrscheinlich nicht nachweisbar ist. Kurz vor jedem Rennen gibt es zwei bis drei Eigenblut-Infusionen. So erscheint der Athlet stets sauber zu den Dopingkontrollen. Gespritzt werden unmittelbar vorher nur noch Substanzen, die nicht zu entdecken sind - vor allem Wachstumshormone. Es fällt auf, dass nach dem ersten schweren Rennen mit einer besonders heiklen Mischung gedopt wird: Wachstumshormone, Insulin und EPO."

April/Mai: "Nach einer intensiven Rennphase (Siege bei Lüttich-Bastogne-Lüttich und der Tour de Romandie) wird wieder intensiv mit EPO und Anabolika hantiert. Anabolika und EPO werden rechtzeitig vor den Rennen abgesetzt oder reduziert."

Juni: "Nach dem Dauphiné Libéré setzt eine besonders wilde Phase ein. Da wird alles kunterbunt kombiniert; selbst das sehr gefährliche Schilddrüsenhormon wird eingesetzt."

Juli: "Kurz vor der Tour de France gibt es drei Blutinfusionen. Dazu eine vor den Alpenetappen und eine vor dem letzten Zeitfahren. Auch hier fällt auf, dass während eines Rennens keine anderen Substanzen zugeführt werden. Der Athlet gerät nicht in Gefahr, des Dopings überführt zu werden."

Kambers dänischer Amtskollege Rasmus Damsgaard sagt laut der Tageszeitung *Politiken*: "Ich wäre überrascht, würde Tyler Hamilton so lange wie ein durchschnittlicher Mensch leben."

Hamilton selbst betrachtet sich indes weiterhin als unschuldig. Auf seiner Homepage bestreitet er jeglichen Kontakt zu Eufemiano Fuentes, und rechnet fest mit einem Einsatz bei der Weltmeisterschaft in Salzburg.



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