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Tony Gallopins zweite Sternstunde: Dem Tag in Gelb folgt sein erster Tour-Etappensieg
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16.07.2014

Tony Gallopins zweite Sternstunde: Dem Tag in Gelb folgt sein erster Tour-Etappensieg

Info: TOUR DE FRANCE 2014
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Oyonnax, 16.07.2014 – Dass er den Nationalfeiertag im Gelben Trikot verbrachte, hatte Tony Gallopins (Lotto Belisol) Popularität schon enorm gesteigert. Nach dem Ruhetag konnte der 26-Jährige noch viel stärker auftrumpfen. An der letzten kurzen Steigung der 11. Etappe gut zehn Kilometer vor dem Ziel attackierte der Franzose, wurde nach der Abfahrt von einem Trio um Peter Sagan (Cannondale) eingeholt, setzte sich wieder von diesem ab und rettete sich dann wenige Meter vor einem kleinen Hauptfeld ins Ziel. Des einen Freud, des anderen Leid: John Degenkolb (Giant-Shimano) wurde Zweiter und verpasste nur knapp seinen ersten Erfolg bei der Frankreich-Rundfahrt. Für die Klassementfahrer war es kein leichter Tag, aber nur einer aus den Top15 hatte am Ende Rückstand zu beklagen.

Elmiger initiiert zum zweiten Mal bei dieser Tour eine Gruppe
Der erste Ruhetag der Tour de France hat offenbar nicht nur den Fahrern gut getan, auch das Wetter „erholte“ sich. Die Regenjacken konnten heute in den Koffern bleiben, die 11. Etappe startete bei Sonnenschein und fast 30 Grad. So sommerlich blieb es die ganzen 187,5 Kilometer bis nach Oyonnax. Die erste Ausreißergruppe mit Grégory Rast (Trek Factory Racing), Jérémy Roy (FDJ.fr) und Jérôme Pineau (IAM Cycling) wurde vom Feld nicht toleriert und rasch wieder eingeholt. Auch die nächsten Fluchtversuche, unter anderem von Peter Sagan (Cannondale), fruchteten nicht. Erst nach 28 Kilometern entstand die „Gruppe des Tages“ durch einen Vorstoß des Schweizer Landesmeisters Martin Elmiger (IAM Cycling), dem sich die Franzosen Cyril Lemoine (Cofidis) und Anthony Delaplace (Bretagne-Séché Environnement) anschlossen. Fast sieben Minuten Vorsprung konnten sie herausfahren, bevor zwei Fahrer von Cannondale und einer von Orica-GreenEdge die Nachführarbeit starteten. Cannondale arbeitete für Sagan, Orica-GreenEdge für Simon Gerrans, denen die auf den letzten 55 Kilometern sehr hügelige Strecke entgegenkam. Als diese entscheidende Phase des Rennens begann, lag das Peloton keine zwei Minuten mehr zurück.

Neue Freiheiten nach Contadors Aus: Tinkoff-Saxos Roche attackiert
Vier Steigungen der 3. und 4. Kategorie standen bevor, die erste war die längste. Im Verlauf der 7,6 Kilometer zur Côte de Rogna entwickelte sich das Rennen in die absehbare Richtung: Sprinter fielen zurück, der Vorsprung der Ausreißer schmolz weiter und es kam zu neuen Angriffen. Tom-Jelte Slagter (Garmin-Sharp) und Jan Bakelants (Omega Pharma-Quick Step) waren die Ersten, Nicolas Roche (Tinkoff-Saxo) folgte sogleich. Etwas später begaben sich außerdem Cyril Gautier (Europcar) und Jesus Herrada (Movistar) auf die Jagd nach dem Solisten Elmiger, dem Lemoine und Delaplace nicht hatten folgen können. In der nächsten Steigung, welche über die Côte de Choux hinweg weiter ansteigend zur 998 Meter hoch gelegenen Côte de Désertin führte, schlossen die Verfolger, mit Ausnahme von Slagter, zu Elmiger auf, der nicht wie schon einmal auf der 7. Etappe, zum kämpferischsten Fahrer erklärt wurde. Die Wahl der Jury fiel stattdessen auf Roche, der auf dem Weg zur Côte d’Échallon attackierte und diese letzte Bergwertung 15 Sekunden vor dem Hauptfeld passierte, in dem weiterhin Helfer von Cannondale und Orica-GreenEdge zusammenarbeiteten. Bergab legte Tony Martin (Omega Pharma-Quick Step) ein hohes Tempo vor, was schließlich auch für Roche das Ende seines Angriffs bedeutete.

Angegriffen, eingeholt, angegriffen, fast eingeholt: Gallopin siegt knapp
Bevor man in die richtige Abfahrt hinunter zum Zielort ging, musste noch ein letzter kleiner Anstieg bewältigt werden, der anscheinend zu kurz war, um sich eine eigene Bergwertung zu verdienen. Er war aber steil genug für einen Angriff von Tony Gallopin (Lotto Belisol), der zwei Tage nach seiner Etappe im Gelben Trikot und dem Abrutschen auf Platz fünf der Gesamtwertung aufs Neue beeindrucken wollte. Sagans letzter Helfer Alessandro De Marchi sorgte dafür, dass sich der Franzose dem Blick des Feldes, das bereits auf etwa 40 Mann geschrumpft war, nicht entziehen konnte. Trotzdem hielt er sich an der Spitze des Rennens und wurde erst vier Kilometer vor dem Ziel, als die Strecke gerade wieder abflachte, eingeholt. Allerdings nicht vom Feld, sondern von Sagan, Michal Kwiatkowski (Omega Pharma-Quick Step) und Michael Rogers (Tinkoff-Saxo), die in der Abfahrt nach vorne gefahren waren. Doch Gallopin hatte sein Pulver noch nicht komplett verschossen und attackierte zweinhalb Kilometer vor Schluss erneut. Das Sagan-Trio fiel zurück, wohingegen Gallopin mit letzter Kraft die Ziellinie als Sieger erreichte. Es war der erste Etappenerfolg bei einer Grand Tour für den Gewinner der Clasica San Sebastian 2013.

Dege, Costa, Talansky, Cance
Gallopins knapper Sieg bedeutete für John Degenkolb (Giant-Shimano) eine knappe Niederlage. Der Deutsche gewann den Sprint des Feldes vor Matteo Trentin (Omega Pharma-Quick Step) und Daniele Bennati (Tinkoff-Saxo) und mit nur so geringem Rückstand auf den Sieger, dass nicht einmal eine Zeitdifferenz gewertet wurde. Gerrans wurde Fünfter und Sagan, der beim Zwischensprint zur Etappenmitte entgegen seinem Instinkt extra Energie gespart hatte, nur Neunter. Die Top15 der Gesamtwertung gehörten bis auf eine Ausnahme dem Hauptfeld an: Weltmeister Rui Costa (Lampre-Merida) verlor gut eineinhalb Minuten, rutschte von Rang neun auf 14 ab. Mit 32 Minuten Rückstand erreichte Andrew Talansky (Garmin-Sharp) das Ziel. Der Dauphiné-Gesamtsieger leidet immer noch unter Sturzfolgen aus der ersten Tour-Woche und musste das Feld schon nach circa einhundert Kilometern ziehen lassen. Zwischenzeitlich wollte der US-Amerikaner sogar aufgeben, konnte aber von seinem sportlichen Leiter zum Weiterfahren animiert werden und schlug das Zeitlimit letztlich um fünf Minuten. So erreichten alle gestarteten Fahrer das Ziel, nur Fabian Cancellara (Trek Factory Racing) war nicht angetreten, hatte am Ruhetag seinen Ausstieg erklärt.

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Die 12. Etappe ist eine typische „Überführungsetappe“, welche die Tour weiter Richtung Alpen führt. Bergwertungen der 3. und 4. Kategorie 47,5 und 21,5 Kilometer vor dem Ziel befinden sich auf sehr langen, aber kaum nennenswert steilen Anstiegen, die weniger selektiv sein dürften als die heutigen.





Tony Gallopin feiert seinen ersten Tour-Etappensieg, im Hintergrund sprintet das Feld umsonst (Foto: Veranstalter/letour.fr)
Tony Gallopin feiert seinen ersten Tour-Etappensieg, im Hintergrund sprintet das Feld umsonst (Foto: Veranstalter/letour.fr)

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