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Froome und Mollema stürzen in nasser Abfahrt, Bardet nutzt sie für den 1. französischen Sieg dieser Tour
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22.07.2016

Froome und Mollema stürzen in nasser Abfahrt, Bardet nutzt sie für den 1. französischen Sieg dieser Tour

Info: TOUR DE FRANCE 2016
LiVE-Ticker zum Nachlesen: Flash | Text
Autor: Felix Griep (Werfel)



Saint-Gervais, 22.07.2016 – Als der Regen einsetzte, entwickelte sich auf der vorletzten Bergetappe der 103. Tour der France ein dramatischer Rennverlauf, bei dem neben vielen anderen Fahrern auch Chris Froome auf dem nassen Asphalt landete. Für den Träger des Gelben Trikots hatte das letztlich keine gravierenden Folgen, auf dem Rad eines Teamkollegen konnte er weiterfahren und seine Führung verteidigen. Weniger Glück hatte Bauke Mollema (Trek-Segafredo), der nach einem Sturz viel Zeit und seinen zweiten Gesamtrang verlor, sich mit Ach und Krach noch in den Top10 hielt. Neuer Zweiter ist Romain Bardet (AG2R La Mondiale), der nach einem Angriff in der letzten Abfahrt mit seinem Teamkollegen Mikaël Cherel einen ausreichend großen Vorsprung herausfuhr, um am zehn Kilometer langen Schlussanstieg von diesem Polster zu zehren und für den ersten französischen Etappensieg bei dieser Frankreich-Rundfahrt zu sorgen.


Das Profil der 19. Tour-Etappe

Erst die zweite Bergetappe ohne Happy End für Ausreißer
Das Wetter zum Start der 19. Etappe der Tour de France in Albertville war noch recht freundlich. Das 146 Kilometer kurze Teilstück begann gleich mit dem ersten von fünf Anstiegen zum nicht-kategorisierten Collet de Tamié (8,1 km à 7,0%). Thomas De Gendt (Lotto Soudal) ging sofort mit seinem Teamkollegen Tony Gallopin in die Offensive, woraufhin sich um diese beiden eine 20-köpfige Ausreißergruppe formierte (vollständige Liste siehe LiVE-Ticker, Eintrag von 13:21 Uhr), zu der auch Rafal Majka (Tinkoff) gehörte, der sein Bergtrikot heute mathematisch unter Dach und Fach brachte, nur noch Paris erreichen muss, um es nach 2014 zum zweiten Mal zu gewinnen. Mit dabei waren auch einige der „üblichen Verdächtigen“ wie Jarlinson Pantano (IAM Cycling) und Daniel Navarro (Cofidis), die hofften, dass sich ihnen eine weitere Chance für einen Etappensieg ergeben würde. Doch nachdem bisher alle Bergetappen aus einer einzigen – dem 8. Teilstück nach Bagnères-de-Luchon – zur Beute von Ausreißern geworden waren, sorgte diesmal Astana dafür, dass die Gruppe keinen zu großen Vorsprung herausholen konnte, fuhr bis zur Einholung der Ausreißer immer mit mehreren Fahrern an der Spitze des Feldes.

Astana arbeitet für Aru und lässt der Gruppe keine Chance
Bei Astana setzte man großes Vertrauen in Fabio Aru, der zuletzt eine klare Aufwärtstendenz gezeigt hatte. Bei der Bergankunft in Finhaut-Emosson vor zwei Tagen hatte sich der Italiener in der Gesamtwertung von Rang zehn auf acht verbessert und war dann als Drittplatzierter des Bergzeitfahrens noch einmal eine Position nach oben gerückt. Die Bergwertungen der 1. und 2. Kategorie auf Col de la Forclaz de Montmin (9,8 km à 6,9%) und Col de la Forclaz de Queige (5,6 km à 7,8%) passierte das Hauptfeld mit Rückständen von drei bzw. vier Minuten. Auf der Montée de Bisanne (12,4 km à 8,2%) waren es 49 Kilometer vor dem Ziel nur noch zwei Minuten. An diesem Berg der Kategorie HC war die Ausreißergruppe auf zwölf und das Feld auf etwa 50 Fahrer, davon sieben aus dem Astana-Rennstall, geschrumpft. In einer kleinen Steigung zwischen dieser dritten Bergwertung und der eigentlichen Abfahrt griff bei den Ausreißern Pierre Rolland (Europcar) an, dem nur Rui Costa (Lampre-Merida) folgte. Zur selben Zeit begann der Regen und Rolland wurde kurz darauf zum ersten von zahlreichen Sturzopfern, fiel dadurch bis hinter das Hauptfeld zurück.


Tines Tour Talk zur 19. Etappe: „alte Hasen“

Porte, Mollema und Froome stürzen während nasser Abfahrt
Zu den nächsten Sturzopfern gehörten die beiden Schweizer Sébastien Reichenbach und Steve Morabito (beide FDJ) und auch Richie Porte (BMC Racing). Der benötigte einige Zeit, bis er mit drei Teamkollegen wieder zu den anderen Favoriten aufschließen konnte. Richtig dramatisch wurde es aber erst im letzten Teil der Abfahrt, der etwa 20 Kilometer vor dem Ziel begann, als gerade alle Ausreißer bis auf den noch eine Minute vorausfahrenden Costa eingeholt worden waren. Ein Sturz reihte sich an den nächsten. Es traf auch den bisherigen Tour-Zweiten Bauke Mollema (Trek-Segafredo), der wenig später sogar nur knapp einem zweiten Sturz entging, aber durch diese Ereignisse den Kontakt zu seinen Konkurrenten verlor. Auch der Gesamtführende Chris Froome (Sky) stürzte, bei der Fahrt über einen Mittelstreifen auf der nassen Fahrbahn. Zu seinem Glück hatte er noch Teamkollegen in seiner Nähe und konnte das Rennen auf dem Rad von Geraint Thomas schnell wieder aufnehmen. Immerhin erreichte er das Ende der Abfahrt gemeinsam mit den meisten anderen Topfahrern, während Mollema schon deutlich zurücklag. Zwei Fahrer schieden in Folge von Stürzen aus: Navarro verletzte sich am Bein und Tom Dumoulin (Giant-Alpecin) brach sich bei einem Sturz, als es noch trocken war, einen Knochen in der Hand.

Bardet attackiert in der Abfahrt und triumphiert am Schlussanstieg
Aber nicht nur Stürze prägten diese letzte Abfahrt der Etappe. AG2R La Mondiale zeigte sich von den widrigen Bedingungen und der nur schwer überschaubaren Rennsituation unbeeindruckt und schickte zunächst Mikaël Cherel in den Angriff, dem die Favoriten keine Beachtung schenkten. Doch dann griff auch Romain Bardet an, schloss zu seinem Teamkollegen auf und das Duo fuhr bis zum Fuß des Schlussanstiegs, der in den Ortsteil Le Bettex der Gemeinde Saint-Gervais (9,8 km à 8,0%) führte, 40 Sekunden Vorsprung heraus. Der immer noch führende Costa ging diesen Berg mit einer Minute Vorsprung an, doch schon nach zwei Kilometern hatte Bardet ihn eingeholt. Bis knapp drei Kilometer vor dem Ziel konnte der letzte Ausreißer noch mithalten, dann schüttelte Bardet ihn ab. Der kämpferischste Fahrer der Tour de France 2015, bei welcher er eine Etappe in Saint-Jean-de-Maurienne gewonnen hatte, hatte seine Kräfte gut eingeschätzt und erreichte das Ziel mit 23 Sekunden Vorsprung auf seine ersten Verfolger. Überdies wendete Bardet mit seinem Erfolg die drohende Gefahr der ersten Frankreich-Rundfahrt ohne einen französischen Etappensieg seit 1999 ab; auf den vorherigen 18 Etappen hatte es noch keinen einzigen Heimerfolg gegeben.


Unsere Etappen-Vorschau zum Nachlesen:
Wird auch die letzte Bergankunft zur Beute von Ausreißern?


Bardet und Quintana nun Zweiter und Dritter der Gesamtwertung
Auf den letzten Kilometern des Schlussanstiegs gab es in der Gruppe um das Gelbe Trikot noch einige Angriffe, u.a. von Aru, der dem angepeilten Etappensieg aber nicht einmal mehr nahekommen konnte, Daniel Martin (Etixx-Quick Step) und Richie Porte (BMC Racing). Schlussendlich war es dann der auch sehr aktive Joaquin Rodriguez (Katusha), der eine Sprint gegen Alejandro Valverde (Movistar) und Louis Meintjes (Lampre-Merida) um den zweiten Etappenplatz für sich entschied. Das Trio finishte 23 Sekunden nach Bardet sowie drei Sekunden vor Nairo Quintana (Movistar) und je fünf vor Aru und Martin. Froome und sein Teamkollege Poels erreichten das Ziel mit 36 Sekunden Rückstand, Porte und Adam Yates (Orica-BikeExchange) folgten nach 53 und 56 Sekunden. Damit fehlte aus den vorherigen Top11 nur Mollema, bis zu dessen Ankunft 4:26 Minuten vergingen, die ihn in der Gesamtwertung von Rang zwei auf zehn zurückwarfen; auf den Elften Rodriguez hat er nur zehn Sekunden Vorsprung. Bardet machte einen großen Sprung von Platz fünf auf zwei (+4:11) und Quintana verbesserte sich von vier auf drei (+4:27), doch Yates (+4:46) und Porte (+5:17) bleiben im Kampf um die Podiumsplätze auf Schlagdistanz. Meintjes hält die Spannung in der Nachwuchswertung aufrecht, verkürzte seinen Rückstand zu Yates von 2:59 auf 2:16 Minuten.

-> Zum Resultat

Ein weiterer harter Tag in den Bergen steht den Fahrern auf der morgigen 20. Etappe noch bevor. Es gibt dort Bergwertungen der 2., 1., 1. und HC-Kategorie, doch diesmal liegt das Ziel am Ende einer zwölf Kilometer langen Abfahrt. Bei erneut vorhergesagtem Regen muss wohl wieder mit einigen Stürzen gerechnet werden.





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